Gießener Initiative macht sich für überwiegend pflanzliche Ernährung stark

Picknick in der Fuzo (Fußgängerzone).

Picknick in der Fuzo (Fußgängerzone).

Ein Picknick mitten in der Innenstadt in der Fußgängerzone? Warum eigentlich nicht. Schließlich scheint die Sonne und die Vorbeilaufenden zeigen sich interessiert. Neben dem geselligen Zusammensitzen geht es nämlich darum, den „Veggie-Tag“ bekannter zu machen. Wenn es nämlich nach Greenpeace, dem BUND und dem Arbeitskreis Ernährungsökologie geht, sollte Gießen sobald wie möglich zur „Veggie-Stadt“ werden.

Etwa 40 Leute sind am Samstag um die Mittagszeit auf dem Seltersweg zusammengekommen, haben Decken ausgebreitet und mitgebrachtes Essen aufgestellt. Schüsseln mit Salaten, Brotaufstriche, Baguettes und Kuchen zieren die aufgebaute „Tafel“, die aus umgedrehten Kartons besteht. Die Veggie-Tag-Initiative will daraus aber keine Privatveranstaltung machen. „Wir wollen den Veggie-Day in Gießen einführen und mit dieser Aktion die Passanten darauf aufmerksam machen“, erklärt Ole Schnepel, Mitglied bei Greenpeace und Mitinitiator des Picknicks. „Großküchen und Restaurant sollen an einem Tag in der Woche ein vegetarisches Gericht anbieten und dieses auch entsprechend bewerben.“ Tatsächlich sprechen einige Argumente für eine überwiegend pflanzliche Ernährung. „Unser Essen heute ist vegan-vegetarisch. Wir wollen damit unsere CO2-Emissionen reduzieren und das Klima schützen“, erklärt Ole.

Interesse auch seitens der Vorbeilaufenden, die am Infostand ihre Fragen beantwortet bekommen.

Interesse auch seitens der Vorbeilaufenden, die am Infostand ihre Fragen beantwortet bekommen.

Eine Stellwand fasst weitere Gründe zusammen, die für eine fleischarme Kost sprechen. „Auf 70 Prozent der weltweiten Agrarflächen werden Futtermittel angebaut. Würde man diese Flächen verwenden, um pflanzliche Lebensmittel für den Menschen zu erzeugen, dann wäre das viel effektiver um die Weltbevölkerung zu ernähren“, beschreibt Lisa Sonnenburg aus dem Arbeitskreis Ernährungsökologie, die das Treffen ebenfalls mitorganisiert hat. Sieben bis 16 Kilogramm Getreide seien nämlich notwendig, um ein Kilogramm Fleisch zu erzeugen. Damit geht auch ein enormer Wasserverbrauch einher, der vor allem in trockenen Regionen dazu führt, dass der Boden versalzt und unfruchtbarer wird. Zudem empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) als gesunden Fleischkonsum hochgerechnet 16 bis 31 Kilogramm pro Jahr, der durchschnittliche Konsum in Deutschland ist mit 60 Kilogramm mehr als doppelt so hoch. „Fleischkonsum steigert das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauferkrankugen und Prostata- und Darmkrebs, deshalb ist eine fleischarme Kost gesünder“, erklärt Lisa.

Die globale Kampagne „Donnerstag ist Veggie-Tag“ hat der VEBU (Vegetarierbund Deutschland) 2010 in Deutschland gestartet. Sie soll Schulen, Kitas, Restaurants oder Betriebskantinen ermuntern, donnerstags überwiegend vegetarische Gerichte anzubieten und auch anzupreisen. 30 Städte haben den Veggie-Tag bereits umgesetzt, darunter auch Marburg und Wiesbaden. International beteiligen sich Städte wie Washington, Kapstadt, San Francisco und Sao Paulo. „Wir sind momentan mit der Stadt im Gespräch. Wir wollen erst einmal bei der Schulverpflegung und den Kitas ansetzen, langfristig soll aber auch die lokale Gastronomie ins Boot geholt werden“, beschreibt Ole den Stand der Dinge. „Wir wollen keinen Verzicht predigen oder mit erhobenem Zeigefinger dastehen, sondern mit vegetarisch-veganen Gerichten Alternativen aufzeigen.“

Sabine Wolters vom BUND, dem Bund für Umwelt und Naturschutz, steht am Stand mit den Flugblättern: „Viele Leute kommen zum Stand und geben an, wenig Fleisch zu essen. Ganz verzichten möchten die meisten nicht. Immerhin scheint aber das Bewusstsein dafür da zu sein, dass Fleischkonsum aus verschiedenen Gründen nicht gut ist.“ Richtige Fleischesser kämen gar nicht erst vorbei oder würden sich auf kein Gespräch einlassen. „Vielleicht ist es ein Problem, dass sie das Gefühl haben, sich rechtfertigen zu müssen, dabei ist das Wichtige doch, sich zu informieren.“ Uta Schmidt vom Arbeitskreis Ernährungsökologie stimmt zu: „Es ist schade, dass immer nur die kommen, die sich eh schon dafür interessieren.“

Die Veggie-Tag-Initiative kann sich breiter Unterstützung erfreuen. Neben den bereits aufgeführten Gruppen sinddie Lokale Agenda 21-Gruppe, die Vegane Gruppe Gießen, der Allgemeine Studierendenausschuss der Uni Gießen, das Institut für Alternative und Nachhaltige Ernährung (IFANE), die Regionalgruppe des VEBU, der Berufsverband Agrar Ernährung Umwelt (VDL) Hessen, der Förderverein Fair beraten e.V., der Verband für unabhängige Gesundheitsberatung e.V. (UGB) sowie Prof. Claus Leitzmann vom Institut für Ernährungswissenschaft der Uni Gießen dabei.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: