Kleiderparty im Dachsaal des DGB-Hauses

kleidertauschpartyWer skeptisch ist, seine gebrauchten Kleidungsstücke der Altkleidersammlung anzuvertrauen, keine Lust hat, bei diesen Temperaturen an einem Flohmarktstand zu frieren, trotzdem aber seine alten Sachen aus dem Schrank sinnvoll verwertet wissen möchte, konnte am Sonntag an der Kleidertauschparty im Dachsaal des DGB-Hauses teilnehmen.

Innerhalb einer Stunde hat sich der Dachsaal in einen Kleiderladen verwandelt. Mehrere Reihen Kleiderständer sind aufgebaut. Langsam trudeln Leute ein, um ihre Kleidungsstücke gegen Kastanien zu tauschen. „Für kleinere Sachen wie T-Shirts, Röcke oder Hemden gibt es eine einfache Tauscheinheit, das ist die grüne Kastanie. Für hochwertigere Kleidungsstücke gibt es die doppelte Tauscheinheit, eine blaue Kastanie“, erklärt Alexandra Böckel, die als Mitglied im Textilbündnis und der Free School Gießen die Veranstaltung mit organisiert hat. Beide, das Café Amélie und das Umweltamt Gießen, haben die Kleidertauschparty ins Leben gerufen.

Janick und Edna geben gerade ihre aussortierten Kleidungsstücke ab. „Ich möchte meine Sachen loswerden, weil ich beim Altkleidercontainer nicht so recht dran glaube, dass das Zeug auch da ankommt, wohin es soll. Aber ich bin auch hier, um etwas Lustiges zu erleben“, sagt Edna und Janick stimmt zu. Das seit 1997 bestehende Textilbündnis möchte mit dieser Veranstaltung auf die Arbeits- und Handelsbedingungen in der Textilindustrie aufmerksam machen und nachhaltigen Konsum fördern. „Seit zwei Jahren haben wir ja auch den Second-Hand-Laden, der sich „Pepp-Laden“ nennt, in der Bahnhofstraße 41. Dort gibt es Frauenkleidung, und zwar sehr günstig, weil wir den Laden ehrenamtlich betreiben“, sagt Ingrid Schmidt vom Textilbündnis. „Wir hoffen, dass wir durch diese Veranstaltung auch mehr junge Leute auf den Laden aufmerksam machen können“, ergänzt Alexandra Böckel.

Die Jugendwerkstatt nimmt Kleiderspenden an, die sie sortiert und einen Teil davon in den Pepp-Laden bringt. Der andere Teil geht ins Textilrecycling. „Dort werden die Stoffreste geschreddert und zum Beispiel in Polstern verarbeitet. In einem Auto stecken etwa 25 Kilogramm Alttextilien“, sagt Toni Mathes, die sich ebenfalls im Textilbündnis engagiert. „Das ist auf jeden Fall ressourcenschonender, als wenn die Textilien im Restmüll landen.“ Das Bündnis hat außerdem eine Broschüre mit den wichtigsten Textilsiegeln herausgegeben, um zu zeigen, wie man beim Kleiderkauf auf ökologische und soziale Standards achtet. Inzwischen sind alle Kleiderständer nach Kategorien behangen: Von T-Shirts und Jacken über Röcke und Hosen bis hin zu Schuhen und Taschen – alles ist dabei. Um 15 Uhr hat sich eine kleine Warteschlange gebildet.

Dann stürzen sich die Leute ins Getümmel. Die einen finden es schwierig, sich in dem zusehends voller werdenden Raum in Ruhe umzusehen. Die anderen sind begeistert. „Ganz viel haben wir gefunden, es hat sich total gelohnt“, sagt Edna beim Herausgehen. „Ich dachte, man findet vielleicht nicht so hochwertige Sachen, aber es waren doch viele Stücke dabei.“ Auch Monika ist sehr zufrieden: „Bis auf den begrenzten Platz war alles super. Ich bin alle meine Kastanien losgeworden.“

Um die 130 Leute sind zum „Einkaufen“ in den siebten Stock gekommen. Wem das zu stressig war, konnte es sich im Café Amélie im Erdgeschoss gemütlich machen. Etwa 20 Personen haben ehrenamtlich mitgeholfen. Im Vorfeld musste vieles organisiert werden. „Ich habe in meinem Freundeskreis herum gefragt und Bus und Anhänger bekommen. Wir haben einige Kleiderständer zur Verfügung gestellt bekommen. Dann brauchten wir noch Stellwände, Dekoration, Wäschekörbe… Den ganzen letzten Monat war ich auf der Jagd nach Kleiderbügeln“, erzählt Böckel. „Eigentlich müsste man es noch umweltfreundlicher gestalten“, findet sie. „Vielleicht können die Leute das nächste Mal mehr selber mitbringen, dann müsste man mit den Autos nicht so viel hin und her fahren, um die verschiedenen Orte abzuklappern.“ Am Ende der Veranstaltung ist einiges an Kleidung übrig geblieben. Die geht an die Jugendwerkstatt und von dort aus in den Pepp-Laden oder in die Polsterproduktion. Insgesamt ziehen die Veranstalter eine positive Bilanz. Böckel konstatiert: „Wir freuen uns, dass so viel los war. Allerdings ist es auch wirklich viel Arbeit. Ohne die vielen Ehrenamtlichen wäre die Kleidertauschparty nicht möglich gewesen.“

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