Hochschultage ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit

global dinner - die 20 ProzentWie kann man das Finanzsystem transformieren? Wie können wir zu einer gerechteren Gesellschaft werden? Und wie könnte eine Postwachstumsgesellschaft aussehen? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich jetzt die erstmals in Gießen ausgerichteten „Hochschultage ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit“, die von der studentischen Initiative für Nachhaltigkeit und dem Asta der Justus-Liebig-Universität organisiert wurden. Dabei traf man sich nach der Eröffnung an der Technischen Hochschule Mittelhessen an der Liebigschule zum „Global Dinner“.

Am Eingang der Cafeteria der Schule ziehen die Ankommenden ein Los, so das Bild am Dienstagabend. Diejenigen, die „80%“ gezogen haben, dürfen auf dem Boden Platz nehmen. Die anderen mit der Aufschrift „20%“ finden einen gedeckten Tisch vor. Sie erwartet eine Vor-, Haupt- und Nachspeise. Die Restlichen, die es sich inzwischen auf den Decken bequem gemacht haben, erhalten nur einen Teller Reis. Nun versteht auch jeder, warum das Treffen so heißt: Es geht um die globale Ungleichverteilung von Nahrung und Wohlstand.

global dinner - die 80 Prozent„In Deutschland erhalten 20 Prozent der Bevölkerung 40 bis 45 Prozent des Einkommens. Den restlichen 80 Prozent fallen 55 bis 60 Prozent des Einkommens zu“, erklärt Referent Prof. Franz Josef Radermacher von der Universität Ulm. Global sähe es noch deutlich ungünstiger aus: Während sich 20 Prozent an 80 Prozent des Einkommens erfreuen können, blieben den restlichen 80 Prozent der Weltbevölkerung nur 20 Prozent. Daher plädiert er für eine teilweise Angleichung. „Eine vollkommene Egalisierung ist schlecht für die Gesellschaft, denn sie braucht Innovationen. Eine zu große Ungleichheit ist nicht minder gefährlich, denn sie geht mit einem niedrigen Bildungsgrad einher. Eine Gesellschaft braucht aber eine gut ausgebildete Bevölkerung, um Innovationen möglich zu machen.“ In der Innovationsfähigkeit sieht er die Möglichkeit, nachhaltiges Wachstum voranzutreiben.

Bei der zweitägigen Veranstaltung handelt sich um ein bundesweites Projekt, das 2010 als Gemeinschaftsprojekt von sechs Träger-Organisationen – Club of Rome, Doktoranden-Netzwerk Nachhaltiges Wirtschaften, Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung, Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft und Global Marshall Plan Foundation – initiiert wurde. „Die Hochschultage sollen eine Plattform bieten für Studierende, aber auch alle anderen Interessierten, um sich Konzepte auszudenken und sich darüber auszutauschen, wie ein gesellschaftlicher Wandel stattfinden kann“, sagt Jule Olbricht, Mitorganisatorin der Hochschultage. Diese haben seit Start der Initiative schon in vielen Städten stattgefunden. Während es 2010 noch vier Termine waren, sind dieses Jahr bereits 21 geplant. Gießen macht dabei den Start.

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