„Powerkick“ auch für das Klima

Der Studentische Arbeitskreis Ernährungsökologie organisiert dieses Semester Kochkurse zur klimafreundlichen Ernährung.

„Ich starte mit dem Kürbis“, sagt Vera Hakmann. „Der braucht nämlich am längsten in der Zubereitung.“ Sie bestreicht die Kürbisscheiben mit Marinade und legt sie auf ein Backblech. „Gebackener Kürbis mit Feldsalat und Walnüssen“ heißt das Rezept, das sie mit ihrer Freundin zubereitet. Vera Hakmann studiert Umweltmanagement an der Justus-Liebig-Universität (JLU) und freut sich über das praxisbezogene Angebot, auch um ihr Wissen im Bereich Ernährung zu erweitern. Denn gemeinsam mit ihren Kommilitonen geht sie der Frage nach: Kann man durch Ernährung zum Klimaschutz beitragen? Immerhin trägt laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Ernährung mit 16 bis 20 Prozent zum Treibhausgasausstoß in Deutschland bei. Mit dem Kochkurs „Klimafreundlich kochen und genießen“ will der Arbeitskreis Ernährungsökologie Bewusstsein dafür schaffen und Möglichkeiten aufzeigen, sich klimafreundlich und gesund zu ernähren.

„Also, das ist ja so eine Sache mit ,exotischen‘ Gemüsen, wie Rotkohl oder Meerrettich. Die kaufe ich normalerweise nie. Aber nun sehe ich, dass man die ja auch total gut verarbeiten kann. Ich hätte auch nicht gedacht, auf welche Weise man diese ganzen unterschiedlichen Körner verwenden kann.“ Zur Begrüßung gab es nämlich einen Fruchtshake, den „Powerkick“: Neben pürierter Banane und Orangensaft kommen hier noch Hafer-, Sesam- und Leinsamen hinein, die zuvor eine Flockequetsche passiert haben.

Insgesamt sind 14 Teilnehmende in der Lehrküche der JLU. Sie haben sich auf die vier Kochnischen verteilt. In Zweiergruppen bereiten sie in den nächsten zwei Stunden 12 Gerichte zu: Vier Frischkostrezepte, darunter Salate, fünf Hauptspeisen und drei Nachtische. Ökotrophologin Hannelore Weise wurde eingeladen, um die Kurse anzubieten. Sie bereitet alles vor und möchte mit ihren Rezepten die Vielfalt an Gerichten aufzeigen und unterschiedliche Geschmäcker ansprechen.

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Was aber macht klimafreundliche Ernährung aus? „Wir verwenden nur regionale und saisonale Gemüse, dadurch spart man CO2 bei Transport und Lagerung ein. Ein weiterer Faktor ist, dass alle Gerichte vegan sind, denn pflanzliche Lebensmittel verbrauchen deutlich weniger Energie in ihrer Produktion als die tierischen“, erklärt Weise. Doch wenn es nur um den Klimaschutz ginge, dann könnte man ja auch Produkte mit hoher Energiedichte essen, zucker- und fetthaltige Fertigprodukte zum Beispiel. Weil sie schon in kleinen Mengen sättigen, man also nicht große Mengen von ihnen braucht, sind auch sie relativ klimafreundlich. „Aber unsere Gerichte sind ja zudem auch noch sehr gesund“, hält Weise dagegen. „Nüsse und Saaten sowie kalt gepresste Öle spielen bei veganen Gerichten eine wichtige Rolle, die sind kalorienreich und liefern wichtige Fettsäuren.“ Außerdem stammen alle Zutaten aus dem ökologischen Landbau. „Das ist wichtig, wenn es um Nachhaltigkeit geht: keine Pestizide, kein Kunstdünger, so wird die Bodenfruchtbarkeit erhalten“, so Weise.

Eine andere Gruppe versucht sich heute zum ersten Mal an Gerstenschnitten. Das geschrotete Getreide ist bereits zu einem zähen Brei verkocht, nun wird es mit dem angedünsteten Lauch vermengt und schließlich auf ein Backblech aufgetragen. Damit es nach dem Backen nicht zu trocken ist, wird es mit grüner Kräuter-Joghurt-Sauce serviert. „Basis hierfür sind die Cashewnüsse“, erläutert Hannelore Weise ihre Rezeptidee. „Zuerst fein gehackt, in Wasser mit Salz und Zitronensaft gekocht, werden sie anschließend püriert. Das gibt eine sämige Grundmasse, die mit Sojajoghurt und frischen Kräutern verfeinert wird.“

Nicht alle Teilnehmenden ernähren sich vegan. „Ziel muss ja auch nicht sein, tierische Produkte komplett zu streichen. Es reicht ja auch schon aus, hin und wieder vegan zu kochen“, bemerkt Weise. Ihr sei aber nicht nur die Wissensvermittlung, sondern auch der gemeinsame Austausch und das Miteinander-Essen wichtig. Daher werden am Ende in großer Runde all die leckeren Gerichte mit Ruhe und Genuss gemeinsam gegessen.

Der Studentische Arbeitskreis Ernährungsökologie ist eine Gruppe von Studierenden der JLU, die Vorträge und Veranstaltungen organisieren, in denen es um Themen geht, die im Studium nicht ausreichend Raum finden. Letztes Jahr hat er den Kochkurs erstmals angeboten, mit großem Zulauf. Die Studierenden zahlen lediglich den Unkostenbeitrag für die Lebensmittel. Am 30. Januar findet der nächste Kochkurs statt, bei dem noch wenige Plätze frei sind. Wer also Lust bekommen hat mitzumachen, kann sich über ernaehrungsoekologie@googlemail.com noch anmelden.

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