Permakultur am Eulenkopf: Gemeinschaftliches Gärtnern findet immer mehr Anhänger_innen

Die Ressourcen auf der Erde sind begrenzt und die Menschen müssen Strategien finden, sparsam und effizient mit ihnen umzugehen. Ein Weg ist die Permakultur – eine Idee, mit der sich Lebensräume ökologisch gestalten lassen, unter anderem im Gartenbau. Kürzlich fand ein Workshop im „Interkulturellen Garten“ am Eulenkopf statt.

Etwa zehn Personen sind mit Grabgabeln, Gartenscheren und Spaten unterwegs. Ziel ist es, ein Schlüssellochbeet anzulegen. Es heißt so, weil es an die Form eines Schlüssellochs erinnert. Zuerst wird eine Schicht aus Pappkartons auf die Unkräuter gelegt, dann wird der Rindenmulch in einer Linie aufgebracht; das ist der Weg. U-förmig um ihn herum fangen die Gartenbegeisterten an, Äste, Zweige und massenhaft vorhandene vertrocknete Disteln aufzutürmen. Noch kann sich niemand so recht vorstellen, wie daraus am Ende ein Beet entstehen soll.

Schlüssellochbeete, Hochbeete, Kräuterschnecken: All das sind Elemente der Permakultur – eine Wortschöpfung, die aus dem Begriff „permanent agriculture“ (dauerhafte oder nachhaltige Landwirtschaft) hervorgegangen ist und durch David Holmgren und Bill Mollison geprägt wurde. „Die ganzen Methoden wie Nutzung des dreidimensionalen Raumes, schonende Bodenbearbeitung und ganzjährige Bodenbedeckung, Pflanzengemeinschaften, die sich gegenseitig unterstützen, Schaffung vielfältiger mikroklimatischer Bereiche, möglichst alles organische Material am Ort zu belassen, mit Unkraut mulchen: All das gab es ja schon Jahrhunderte vorher, aber die beiden haben dem Konzept einen Namen gegeben“, sagt Dr. Virpi Nurmi. Sie leitet den Workshop und koordiniert außerdem den „Interkulturellen Garten“ am Eulenkopf. Permakultur ist dabei mehr als Ökolandbau. „Es geht über eine bestimmte Art und Weise des Gärtnerns hinaus. Es ist ein Konzept, das Ressourcen schonen will, es lässt sich auch jenseits des Gartens auf jegliche Raumgestaltung, aber auch auf soziale Zusammenhänge oder das Finanzsystem übertragen. Permakultur fördert den Erhalt der Artenvielfalt, denn der Garten wird nicht nur als Wirkungsbereich des Menschen gesehen, sondern als Lebensraum aller dort vorkommenden Arten: Tiere und Pflanzen.“ Nurmi ist Biologin und Umweltpädagogin und gärtnert aus Leidenschaft. Sie erklärt, was das Besondere an einem Schlüssellochbeet ist: „Auf das Gehölz kommt Erde. Wir haben dann ein Hochbeet, was insgesamt mehr Anbaufläche und unterschiedliche Kleinstklimate für verschiedene Pflanzen bietet. Bereiche, die feuchter, schattiger oder wärmer sind als andere. So ergeben sich auch unterschiedliche Zonen um den Weg herum.“ Durch das darunter liegende Holz, das sich nur langsam zersetzt, werden langfristig Nährstoffe abgegeben. Ein solches Beet fördert das Bodenleben und die Bodenfruchtbarkeit.

Nurmi ist Initiatorin und Gründerin der beiden ersten „Interkulturellen Gärten“ in Gießen, die es seit 2003 und 2009 gibt. Die Fläche am Eulenkopf umfasst 800 Quadratmeter und jede Person, die Interesse an naturnahem Gärtnern hat, kann eine Parzelle beackern. Oft sind es auch Schulklassen oder Kindergartengruppen, mit denen Nurmi zusammenarbeitet. „2003 konnte sich wohl keiner in Gießen so richtig vorstellen, was aus der Idee des Gemeinschaftsgartens werden wird“, erinnert sie sich. „Ich bin froh, dass urbane und interkulturelle Gärten inzwischen im ‚Mainstream‘ angekommen sind.“

Die Teilnehmenden sind trotz des kühlen Wetters froh am Werkeln. Darunter auch der dreijährige Philipp mit seinen Eltern. Allen ist gemein, dass sie mehr über das Gärtnern erfahren wollen, sei es für den eigenen oder den Gemeinschaftsgarten. „Dass man Pappe drunterlegt, damit keine Unkräuter raus kommen, das fand ich besonders interessant“, sagt Susanna, eine Teilnehmerin. „Ich bin drauf und dran, bei uns in der Dulles-Siedlung so etwas zu machen.“ Nurmi freut sich über so viel Motivation: „Wie schön, dass sich gemeinschaftliches Gärtnern durchgesetzt hat, weil es hierbei nicht um Konsum geht, sondern darum, zusammen einen Lebensraum zu gestalten.“

Das Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung (ZiBB) veranstaltete den Workshop. Am 3. Mai gibt es eine Fortführung. Dann werden die ersten Pflanzen ausgesät. Alle Interessierten sind eingeladen.

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