Erste Ernte der Solidarischen Landwirtschaft in diesem Wirtschaftsjahr

Das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft wird immer bekannter und beliebter – in Gießen und in Marburg. Die Initiative „SoLaWi Marburg“, in der auch Gießen mitmacht, arbeitet mit einem Hof in Kirchvers zusammen.

Ein Haus wie viele andere in der Innenstadt Gießens, wo sich Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft heute zum ersten Mal in diesem Jahr Gemüse abholen können. Die Haustüre steht offen, Rico Sell steigt in den Keller hinab: „Hier gibt es ein Zahlenschloss, dessen Nummer die Mitglieder kennen. So kann jeder zeitunabhängig die Ernte für die kommende Woche abholen.“ Ausgiebig ist die Ernte am ersten Mai noch nicht ausgefallen, aber immerhin gibt es Rucola, Salat und mangoldartiges Gemüse.

Die Initiative „Solidarische Landwirtschaft Marburg und Gießen“ gibt es bereits seit zwei Jahren. Waren es letztes Jahr gerade einmal zehn Haushalte, die aus Gießen mitgemacht haben, sind es dieses Jahr bereits 38. Das Gemüse stammt vom Betrieb „Grünzeug“ in Kirchvers, zwischen Gießen und Marburg gelegen. Dort kümmert sich der Gärtner Uwe Engelhard um die Bewirtschaftung. Rund ein Drittel der Fläche geht in die Solidarische Landwirtschaft, auf den restlichen zwei Dritteln baut er für den Großhandel an. Bis vor ein paar Wochen konnte man Mitglied werden, indem man in Bieterrunden angibt, wie viel man bereit ist pro Monat zu zahlen, um regelmäßig eine Portion Gemüse abholen zu können. „Es wurde ein Mittelwert errechnet, wie viel Geld notwendig ist, damit der Gärtner Gemüse für die entsprechende Anzahl an Haushalten produzieren kann. Der lag bei etwa 50 Euro“, erklärt Rico Sell, der dieses Jahr zum ersten Mal mitmacht. „Ich finde die Idee der Solidarität besonders gut, denn diejenigen, die nicht so viel haben, können auch weniger geben, dafür geben andere mehr. Wichtig ist, dass man am Ende auf die entsprechende Summe kommt.“ Dafür waren dieses Mal drei Bieterrunden notwendig. Alle Mitglieder bekommen dafür jede Woche eine bestimmte Menge an regionalem und saisonalem Öko­-Gemüse. Insgesamt beteiligen sich dieses Jahr rund 140 Haushalte aus Gießen und Marburg, und damit über 200 Personen, an diesem Projekt. Rico Sell und sein Mitbewohner haben zusammen einen „Anteil“. Zudem organisieren sie in ihrer Wohngemeinschaft einen von drei Verteilpunkten. Die Ernte wird also ein Mal pro Woche zu den Verteilpunkten gebracht. 15 freiwillige HelferInnen koordinieren, welche Mengen wohin müssen. An den Verteilpunkten müssen dann die einzelnen Mitglieder ihre Anteile abholen. So auch Steffen Zimmermann, der sich über diese Art der „postkapitalistischen“ Wirtschaftsweise freut und dieses Jahr zum zweiten Mal dabei ist. „Außerdem habe ich die Gelegenheit genutzt, um kochen zu lernen. Wenn ich einmal die Woche Gemüse bekomme und nicht will dass es verdirbt, dann muss ich was draus machen!“ Das was er heute mitnimmt, findet er von der Menge her eher unterdurchschnittlich. „Im Sommer ist manchmal so viel dabei, dass ich gar nicht weiß, wie ich das alleine essen soll.“

„Das Jahr startet immer im Mai“, sagt Max Stricker, der einen weiteren Verteilpunkt organisiert. „Und Ernte gibt es durchgängig das ganze Jahr über. Erst letzte Woche, Ende April, gab es die letzten Anteile der vergangenen Saison.“ Im Winter gebe es vor allem viel Kohlgemüse, erzählt er. „Die Kürbisse im Herbst fand ich super. Der Landwirt hat im Sommer auch mit Melonen experimentiert, aber die sind leider nichts geworden.“ In einer Liste konnten alle Mitglieder ankreuzen, welche Früchte sie gerne haben wollen und welche sie gar nicht mögen. Im Arbeitskreis „Produktpalette“ wurde dann zusammen mit dem Gärtner erarbeitet, was tatsächlich angebaut wird.

Wer sehen möchte, wo sein Gemüse herkommt, kann auch persönlich beim Hof vorbei schauen und in arbeitsintensiven Phasen auch gerne mit anpacken. „Wir sind hingefahren und haben geholfen Kürbisse zu pflanzen“, erinnert sich Rico Sell.
Auch wenn die Saison bereits begonnen hat, es gibt eine Warteliste, auf die sich Interessierte setzen lassen können. Im Falle, dass jemand abspringt, kann dann einfach nachgerückt werden.

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