Gemeinsam an einem Tisch

Vertreter_innen verschiedener Gruppen stellen sich vor und lassen es sich schmecken.

Vertreter_innen verschiedener Gruppen stellen sich vor und lassen es sich schmecken.

Am dritten Hessischen Tag der Nachhaltigkeit haben sich verschiedene Gruppen und Initiativen auf dem Rathausplatz getroffen, um zu zeigen, dass es in diesem Bereich bereits einiges Engagement gibt. Das Motto lautet „Nachhaltig leben in Gießen – gemeinsam an einem Tisch“, deshalb haben sie eine lange Tafel aufgebaut.

Wir wollen darauf hinweisen, dass mit nachhaltigem Konsum ein kleiner Schritt in die Richtung Resourcen und CO-2 sparen gemacht werden kann“, sagt Hanne Weise, Ernährungsberaterin für ganzheitliche Konzepte, die die Aktion vor dem Rathaus mit organisiert. Was mit ’nachhaltigem Konsum‘ gemeint ist, führt sie weiter aus: „Lebensmittel zu kaufen, die saisonal sind und aus regionalem Anbau stammen, noch besser, wenn sie ökologisch produziert wurden. Darauf zu achten, dass nur so viel eingekauft und gekocht wird, wie benötigt wird um möglichst wenig Lebensmittel wegwerfen zu müssen.“

Rund 30 Personen haben sich am Rathausplatz versammelt. Eine gedeckte Tafel steht bereit. Für Kaffee, Tee und Kuchen verschiedenster Couleur ist gesorgt. Wer Lust hat, kann sich dazu setzen und sich bedienen. „Ich habe Hefeteigschnecken mit Äpfeln, Rosinen und Haselnüssen gemacht“, sagt Weise. „Die Zutaten sind vegan, bio, regional und saisonal. Besonders bei jungen Leuten ist die Nachfrage nach veganem Essen ja groß.“

Vertreter_innen der Lebensmittelretter, der Grünen Jugend, der lokalen Agenda 21 Gruppe, des Verkehrsclub Deutschland (VCD), der Transition Town Gruppe, der Arbeitsgruppe Ernährungsökologie der Uni, des Arbeitskreises Ernährungsökologie, des Reparatur-Treffs oder auch der Sarah Wiener Stiftung sind dabei. Und das sind nur einige der vielen lokalen Initiativen. Dass sich die Leute in ökosozialen Projekten engagieren, ist nicht neu. „Es war 1982 als ich über Professor Leitzmann zum Arbeitskreis Ernährungsökologie gestoßen bin“, erinnert sich Weise. „Damals gab es die Anthroposophen, die Bruker-Anhänger und die Ökos. Die hatten alle einen ideologischen oder esoterischen Hintergrund. An der Uni aber wollte man wissenschaftlich begründen, warum es zum Beispiel Sinn macht, ökologische Lebensmittel zu konsumieren. So entstand der Arbeitskreis Ernährungsökologie oder auch der UGB, der Verein für Unabhängige Gesundheitsberatung.“

Die Veranstaltung auf dem Rathausplatz soll Gruppen sichtbar machen, die sich heute über ökologische und gesellschaftliche Probleme Gedanken machen und zu deren Vernetzung beitragen. Kerstin Ahrens arbeitet für die Sarah Wiener Stiftung, der es um Ernährungsbildung geht: „Wir wollen Kinder unterstützen, so dass sich sich selbstbestimmt und genussvoll ernähren können, deshalb bilden wir MultiplikatorInnen aus, die in Kindergärten oder Schulen mit den Kindern kochen. Und das vor dem Hintergrund, dass in Familien immer weniger gekocht wird.“ Die Stiftung hat ihren Sitz in Berlin, deshalb möchte Ahrens sich vor allem vor Ort mit Akteuren der Ernährungsbildung vernetzen. Sie erklärt weiter das Konzept: „Maßgabe ist dabei, regionale unverarbeitete Lebensmittel zu verwenden. Wenn es das Budget der jeweiligen Einrichtungen erlaubt, ist bio natürlich auch erwünscht.“

Nicht alles ist „bio“, was die Lebensmittelretter bekommen, aber darum geht es auch gar nicht. Gerade kommen sie mit ihrem Anhänger vom Markt angerollt und bringen kistenweise Obst und Gemüse mit, das nicht mehr verkauft werden konnte. Der Verteilpunkt, der sich sonst vor dem Café Amélie befindet, ist für diese Veranstaltung umgezogen. Schnell wird es voll vor dem bunten Sortiment, bei dem alle, die Lust haben, gratis zugreifen können. „Wir haben jetzt sogar noch zwei Bäcker dazu gewinnen können“, berichtet Paula Eckelmann. „Zusätzlich zum Bäcker Weller bekommen wir jetzt noch das übrig gebliebene Brot vom Bäcker Braun und vom Bäcker Dünsberg.“ Das Brot kann man jeweils Donnerstags und Freitags vorm Café Amélie abholen. „Wir suchen auch immer noch Leute, die Lust haben uns zu helfen, so viele Lebensmittel zu retten.“

Neben dem Reparatur-Treff in der Ederstraße, wo man vor allem elektronische Geräte reparieren kann, gibt es auch noch ein „Textil-Repair-Café“ der Arbeitsloseninitiative (ALI). „Wir haben Nähmaschinen, die alle nutzen können, aber einzelne Teile, wie Reißverschlüsse müssen die Leute selber mitbringen“, erklärt die Organisatorin. Jeden ersten Dienstag im Monat von 16 bis 18 Uhr und jeden dritten Dienstag von 13 bis 15 Uhr können alle, die ihre Kleidung flicken möchten, in der ALI neben, dem Café Amélie, vorbei kommen.

Auch die Schulelternbeirätin der Gesamtschule Gießen Ost sitzt am Tisch. Die Schule bekam den Titel der „Umweltschule“: „Die Schule hat ein Streuobstwiesenprojekt und fünf eigene Bienenvölker, um die sich die SchülerInnen in der Bienen-AG kümmern.“

Ein Projekt, dass Führungen durch die Lahnaue, dem Flussbereich zwischen Gießen und Wetzlar, anbieten wird, soll nächstes Jahr starten. Die „Landschaftsführer Lahnaue“ wollen Interessierten Themen wie Naturschutz, Landschaftsgestaltung oder auch nachhaltige Landwirtschaft näher bringen.

„Ich glaube, im Vergleich zu früher gibt es viel mehr kleine und unabhängige Gruppen, die sich ökologisch und sozial engagieren“, resumiert Weise. „Das mit der Tafel gefällt mir“, sagt eine Besucherin. „Der Rathausplatz wird lebendig. Ein toller Gegensatz zum Designercafé da drüben.“

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