Von der Widersinnigkeit sich vegetarisch zu ernähren

veggibild

Dass der Fleischkonsum im Sinne einer nachhaltigen Ernährung reduziert werden sollte, empfehlen Vegetarierbund (VEBU), Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Greenpeace und viele andere. Aber ganzheitlich betrachtet ist das etwas zu kurz gedacht.

Am heutigen Weltvegetariertag heben verschiedene Vegetarier- und Umweltverbände die Vorteile vegetarischer Ernährung hervor. Üblicherweise stehen Milchprodukte und Eier dann weiterhin auf dem Tisch, Fisch und Fleisch verschwinden von der Speisekarte. Demnach ist vegetarische Ernährung gesund, denn Studien zeigen, dass eine überwiegend pflanzliche Kost gegenüber einer Mischkost die Risiken senkt, an Krankheiten wie Diabetes, Herzinfarkt oder Übergewicht zu erkranken. Gut für das Gesundheitssystem. Auch positive Effekte für die Umwelt bringt vegetarische Ernährung mit sich: Sie verbraucht weniger Ressourcen, spart also Ackerfläche, die sonst der Tierfutterproduktion dienen würde, sie verbraucht somit auch weniger Wasser, Pestizide, Kunstdünger. Und alles, was nicht produziert werden muss, spart Energie und CO2-Emissionen. Sich vegetarisch zu ernähren heißt auch, der Überfischung der Meere entgegenzuwirken. Tausende Tonnen gefangener Fisch werden als Tierfutter zu Fischmehl verarbeitet. Theoretisch würde die großmaßstäbige vegetarische Ernährungsweise sogar den Welthunger reduzieren. Mehr Ackerfläche für Grundnahrungsmittel statt für Tierfutter. Und schließlich ist Vegetarismus auch gut für die Tiere, denn diese werden nicht mehr getötet.

Aber ist es tatsächlich der vegetarische Ernährungsstil, der die Welt nachhaltiger macht? Schnell wird klar, dass es nicht nur auf die pflanzliche Ernährung ankommt, sondern auch auf die Art und Weise, wie die Nahrungsmittel angebaut werden. Pflanzen zu essen, bedeutet nicht, dass keine Monokulturen auf den Feldern stehen, die durch Pestizide und Kunstdünger wachsen gelassen werden. Fleisch wegzulassen, heißt nicht automatisch, gesund zu essen, denn auf die Ausgewogenheit kommt es an. Es heißt auch nicht, auf stark verarbeitete Produkte zu verzichten, die eine schlechte Energiebilanz haben (z.B. Tiefkühlprodukte) und sich oft durch verschiedenste Zusatzstoffe auszeichnen. Zur Verfügung stehende Ackerfläche zu haben, bedeutet nicht, dass keine Energiepflanzen angebaut werden oder die Fläche nicht zugunsten von Straßen gleich ganz versiegelt wird. Und ob die Tiere, die zwar nicht getötet werden, aber dennoch menschlichen Zwecken dienen, ein zufriedenstellendes Leben führen, bleibt fraglich. Doch der größte Widerspruch ist vielleicht dieser: Eine Person, die auf Fleisch verzichtet aber Kuhmilchprodukte isst, trägt weiterhin zur industriellen Massenproduktion von Fleisch bei. Denn Milch geben Kühe nur, wenn sie ständig kalben. Die männlichen Kälber gehen daher in die Fleischproduktion. Die Alternative wäre, die männlichen Jungtiere zu töten. Aber die vegetarische Ernährung sieht das Töten des Tieres ja eigentlich nicht vor. Seltsam, dass problemlos Eier gegessen werden. Dabei ist hinlänglich bekannt, dass männliche Küken getötet werden, sobald sie geschlüpft sind. Wahrscheinlich lässt sich der Tiertod leichter ausblenden, wenn man den Körper des toten Tieres nicht direkt verzehrt.

Eine fleischarme Ernährung wird häufig als Maßnahme zum Klimaschutz aufgeführt. Genaugenommen sollte die Forderung aber lauten, den Rindfleisch- und Käsekonsum zu reduzieren, denn diese beiden Lebensmittel, konventionell produziert, CO2-grafikgehören zu denen mit den höchsten CO2-Emissionen, was vor allem am Verdauungstrakt der Rinder und deren Kraftfutterzusammensetzung liegt. Die Käseherstellung liegt bei 8,3 Kilogramm, die Rindfleischproduktion bei 6,4 Kilogramm CO2 pro Kilogramm Produkt. Zum Vergleich: Kartoffeln liegen bei 0,2 Kilogramm. Da man jedoch den Energiegehalt des Lebensmittels zugrunde legen sollte (Käse und Rindfleisch haben pro Kilogramm schließlich einen höheren Energiegehalt als Kartoffeln), verändern sich die Zahlen, allerdings nur geringfügig: Pro 2000 Kilokalorien liegt Käse bei 4,6 Kilogramm CO2. Rindfleisch verschlechtert sich im Verhältnis hierzu auf 5,6 und die Kartoffel steigt auf 0,6 Kilogramm CO2. Pflanzliche Ernährung bleibt also auch auf den Energiegehalt bezogen immer noch die klimaschonendste Variante.

Ein weiterer Nachhaltigkeitsparameter, bei dem Rindfleisch tatsächlich etwas besser abschneidet als ein pflanzliches Genussmittel namens Kakao, ist der Wasserfußabdruck, also jene Wassermenge, die in den gesamten Produktionsprozess eingegangen ist. Ein Kilogramm Kakao aus konventionellem Intensivanbau nämlich verbraucht 27 000 Liter Wasser. Ein Kilogramm Rindfleisch 15 455 Liter. Dennoch kein Argument für Rindfleisch. Käse schneidet zwar besser ab, aber die Kartoffel gewinnt auch in diesem Falle. Auf eine Kilokalorie bezogen, verbraucht Kakao rund 7,9, Rindfleisch 6,7, Käse 1,4 und die Kartoffel 0,4 Liter Wasser.

Was also empfehlen? Weniger Fleisch zu essen ist schon Mal nicht verkehrt. Die Milchprodukte zu reduzieren, nur folgerichtig. Eine vegane Ernährung ist bezogen auf verschiedene Nachhaltigkeitsparameter wohl die konsequenteste. Diese sollte im Idealfall aber auch an weitere Bedingungen geknüpft sein, nämlich an Ausgewogenheit, an einen geringen Verarbeitungsgrad, an umweltverträgliche Verpackungen. Wo möglich, sollten Bio-Lebensmittel, regionale und saisonale, und wenn aus den Ländern des Südens kommend, dann Fair-Trade-Produkte gekauft werden.

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