Pflanzenkohleherstellung unter der Lupe

Kevin Friedrich erklärt die Anlage. Sie ist sehr kompakt und passt auf einen Lkw.

Kevin Friedrich erklärt die Anlage. Sie ist sehr kompakt und passt auf einen Lkw.

Die Agenda 21 Gruppe Energie lud zur Besichtigung bei der Firma Pyreg in Dörth ein. Dort werden Anlagen zur Pflanzenkohleherstellung produziert und auch Pflanzenkohle selbst. Interessant ist das Thema in zweierlei Hinsicht: Stofflich, weil die Pflanzenkohle Kompost „veredeln“ kann und energetisch, weil die im Prozess entstehende Abwärme zusätzlich genutzt wird.

„60 Prozent der organischen Masse, die in den Prozess hineingeht, kommt am Ende als Pflanzenkohle heraus“, erklärt Kevin Friedrich, Projektingenieur bei Pyreg. „Auf diese Weise können wir in einer Anlage rund 40 Kilogramm Pflanzenkohle pro Stunde herstellen und erzeugen nutzbare thermische Energie von 150 Kilowatt, die an den Nachbarbetrieb geht.“ Die Firma Pyreg in Dörth stellt Anlagen her, die Pflanzenkohle erzeugen. Und sie erzeugen damit Pflanzenkohle, die sie vermarkten. „Pflanzenkohle ist ein vielfältig nutzbares Produkt“, sagt Friedrich und spricht von Nutzungen jenseits der Grillkohle. „In der Viehhaltung wird sie als Silagehilfsmittel oder als Futterzusatzstoff verwendet, auch zur Güllebehandlung oder Mistkompostierung. Ansonsten findet man sie auch in Baustoffen oder auch in der Kosmetik- oder Textilindustrie.“ Ein weiteres großes Einsatzfeld sind Aktivkohlefilter. Dazu muss die Pflanzenkohle aber bestimmte Kriterien erfüllen. Der Kohlenstoffgehalt muss beispielsweise sehr hoch sein, ebenso die Oberfläche. „Dazu bedarf es spezieller Ausgangsmaterialien und einer bestimmten Prozessführung“, erklärt Friedrich. Die Agenda 21-Gruppe interessiert sich vor allem für die Nutzung als „Bodenhilfsstoff“. Studien weisen darauf hin, dass ein Kompostierungsprozess mit der Zugabe von Pflanzenkohle Erde hervorbringt, die besonders fruchtbar ist. „Das ist dann sogenannte Terra Preta, die Archäologen erstmals in den 60er Jahren im Amazonasbecken gefunden haben. Sie birgt das Potenzial, besonders viel Humus im Boden anzureichern, also Kohlenstoff zu binden und damit zum Klimaschutz beizutragen“, schwärmt Gerd Wiesmeier von der Agenda 21 Gruppe, der die Exkursion mit organisiert hat.

Ausgangsmaterial für die Pflanzenkohle sind Reste aus der Holzhackschnitzelproduktion

Ausgangsmaterial für die Pflanzenkohle sind Reste aus der Holzhackschnitzelproduktion

Bei dem Pyrolyseverfahren wird unter Sauerstoffausschluss und relativ niedrigen Temperaturen zwischen 500 und 800 Grad Celsius das organische Material verkohlt. Die Pyrolysegase, die dabei entstehen, darunter Kohlenstoffmonoxid, Methan, Stickoxide, langkettige Kohlenwasserstoffe, werden verbrannt und liefern die Energie für den Verkohlungsprozess. „Die Verkohlung erfolgt energieautark, also selbstgängig“, erklärt Friedrich, „nur am Anfang muss der Prozess durch Zugabe von Flüssiggas gestartet werden. Die bei der Verkohlung entstehende Abwärme kann sogar genutzt werden.“ Als Ausgangsmaterialien für die Pflanzenkohle dienen Spelzen, Siebreste von Hackschnitzeln, die Feinfraktion aus Kompostierungsprozessen oder auch einfach nur gehäckselter Grünschnitt. „Bioabfälle beispielsweise eignen sich nicht so gut, weil sie zu heterogen sind. Das Material muss zudem einen Mindestheizwert von zehn Megajoule pro Kilogramm haben, einen Wassergehalt von kleiner als 50 Prozent und die Partikel sollten nicht größer als 30 Millimeter sein.“

Das Endprodukt: Pflanzenkohle

Das Endprodukt: Pflanzenkohle

Das Material kommt dabei nicht in Kontakt mit den Rauchgasen, das Produkt ist daher auch nicht schadstoffbelastet. Auch die Rauchgase werden gereinigt. „Wir müssen die gleichen Anforderungen erfüllen, wie eine Müllverbrennungsanalage. Wie Sie sehen, werden die Grenzwerte deutlich unterschritten“, sagt Friedrich, während er auf eine Abbildung seiner Präsentation deutet.

Zur Qualitätssicherung von Pflanzenkohle gibt es inzwischen ein Europäisches Pflanzenkohle Zertifikat des „European Biochar Science Network“. Wer sein Produkt damit zertifiziert, gewährleistet, dass nur bestimmte nachhaltige Ausagangsmaterialien verwendet werden, dass energieautark produziert wird und dass bestimmte Schadstoffgrenzwerte nicht überschritten werden.

Pflanzenkohle kann man in kleinem Maßstab auch selber herstellen, und zwar mit Pyrolysekochern, die man sogar selbst bauen kann.

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Eine Antwort

  1. Super Artikel – Holz-Pyrolyseverfahren, hatte ich bisher gar nicht auf dem Schirm. Interessant!
    So stellt man einen leichten aber energiedichten Energieträger aus Restholz her, zusätzlich die Abwärme des Kochers für einen WW-Boiler nutzen, dann ist das ein extrem effizientes System, phantastisch.
    Man müßte auch CO2-Zertifikate generieren können bei der Verwendung als Bodenadditiv.
    Danke für den Link zum DIY-Pyrokocher – den baue ich nach!!

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