Dritte Kleidertauschparty mit Polonaise als Auftakt

Buntes Treiben...

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Wer keine Lust auf die immer gleichen Klamotten im Schrank hat, muss nicht unbedingt shopping gehen. Wem ökologische Aspekte wichtig sind, kann auch einfach an den Kleidertauschparties teilnehmen. So auch an diesem Sonntag. Dafür stellte der Second-Hand-Laden Rugstore im Schiffenberger Weg seine Ladenfläche zur Verfügung.

Kurz vor 13 Uhr stehen die Leute schon an den Kleiderständern. „Damit alles fair ist, wäre es schön, wenn Ihr die gefundenen Kleidungsstücken nochmals zurücklegt“, bittet Erich Eisfeld im Namen der Veranstalter die eingetroffenen Personen. Dann wird das Radio aus den 60er Jahren angemacht und die Leute sollen eine Polonaise tanzen. „Wenn die Musik aus geht, kann es los gehen.“

Etwa 100 Personen haben an diesem Tag ihre alten Klamotten abgegeben und können sich dafür andere aussuchen. „Wir führen bei der Annahme keine Geschmackskontrolle durch“, sagt Jesse Jacovini, Mitveranstalter der Kleidertauschparty. „Die Kleidung sollte halt nicht kaputt oder schmutzig sein. Wir sagen den Leuten, dass sie immer solche Klamotten mitbringen sollen, die sie auch selbst mitnehmen würden.“

Nur zwei Umkleiden. Manche Kleidungsstücke lassen sich auch draußen anprobieren.

Nur zwei Umkleiden. Manche Kleidungsstücke lassen sich auch draußen anprobieren.

„Der Kauf immer neuer Klamotten hat erhebliche ökologische und soziale Folgen. Die meisten wissen, dass in der Textilproduktion mit gefährlichen Chemikalien gearbeitet wird und dass die Arbeitsbedingungen oft so schlecht sind, dass wir uns das hier gar nicht vorstellen können“, sagt Alexandra Böckel vom Organisationsteam. „Trotzdem ist es verständlich, dass man auch Abwechslung im Kleiderschrank haben möchte.“ So entstand die Idee, auch in Gießen Kleidertauschparties anzubieten. Die erste fand im Dachsaal des DGB vor etwa einem Jahr statt. Seitdem sei die Anzahl der Teilnehmenden immer weiter gestiegen.

Eine Person hat vier Teile gefunden: „Die muss ich erst Mal anprobieren, bevor ich mich entscheide.“ Derweil wächst die Schlange an den zwei Umkleidekabinen. „Mir ist das zu hektisch gerade“, sagt eine andere Person. „Ich trinke lieber noch ein Glas Glühwein und schaue mich etwas später um.“ Das Ambiente lädt nicht nur zum Kleider tauschen, sondern auch zum Verweilen ein. Gemütliche Sofas und Sessel, Musik im Hintergrund und Tee oder Glühwein gegen Spende. „Wir freuen uns, dass wir diesen schönen Raum nutzen können“, sagt Jacovini.

Männer- und Frauenkleidung - muss diese geschlechterzuweisende Beschriftung sein?

Männer- und Frauenkleidung – muss diese geschlechterzuweisende Beschriftung sein?

Neben ein paar Personen mittleren und höheren Alters sehen die meisten doch nach Studierenden aus, mehrheitlich Frauen. „Wir haben auch heute wieder mehr Frauen- als Männerkleidung bekommen, obwohl wir auf dem Flyer extra die ‚Männerkleidung‘ als erstes aufgeführt haben, um mehr Männer anzusprechen“, sagt Jacovini. Eine andere Überlegung bezüglich geschlechtsspezifischer Kleidung betrifft die Beschriftung im Raum. Momentan verweist ein Schild auf Männerkleidung auf der einen und Frauenkleidung auf der anderen Seite: „Vielleicht sollten wir das nächste Mal einfach nur nach Kleidungsart sortieren. Dann erscheinen die Kleidungsstücke nicht mehr so geschlechtsgebunden. Bei Trainingsjacken oder Kapuzenpullis ist es sowieso schwierig einzuordnen, ob das zu den Männern oder Frauen kommen soll.“

„Oh, da hat ja jemand meine Bluse mitgenommen!“, freut sich eine Teilnehmerin. Eine andere hat am Eingang Tauschmarken geschenkt bekommen. „Ich kann mir vorstellen, dass Leute froh sind, ihren Kleiderschrank etwas aufgeräumt zu haben und jetzt gar keine Lust haben, wieder neue Sachen mitzunehmen, die ihnen nur mittelgut gefallen.“ „Ich finde Kleidertauschparties und auch Second-Hand-Läden super“ sagt eine dritte Person. „Da habe ich beim Einkaufen kein schlechtes Gewissen.“

Einen Grundstock an Kleidung hat die Jugendwerkstatt gestellt.

Einen Grundstock an Kleidung hat die Jugendwerkstatt gestellt.

Die Kleidertauschparty ist ein Kooperationsprojekt der Free School Gießen, des Weltladens Gießen, des Textilbündnisses und der Jugendwerkstatt. „Das ganze kann nur mithilfe vieler Ehrenamtlicher auf die Beine gestellt werden, deshalb freuen wir uns, dass es auch dieses Mal alles gut geklappt hat“, sagt Böckel. „Tauschen kostet nichts und leistet einen direkten Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit im Textilbereich. Im besten Fall, so hoffen wir, bleibt dadurch sogar mehr Geld im Portmonee, um beim nächsten Kauf mehr auf umweltverträgliche und faire Produktionsbedingungen zu achten.“

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