Globales Schulkino an der Gesamtschule Gießen-Ost

Fünf Schulklassen der Jahrgangsstufe zehn schauten sich den Film

Fünf Schulklassen der Jahrgangsstufe zehn schauten sich den Film „Rising Resistance“ in der Aula an.

Sojaplantagen in Paraguay und die Auswirkungen auf die Kleinbauern vor Ort scheinen erst einmal nicht viel mit Gießen zu tun zu haben. Dass unsere Konsumentscheidungen aber auch globale Auswirkungen haben, möchte das Globale Schulkino SchülerInnen näher bringen. Diesmal zeigte der Verein den Film „Raising Resistance“ den zehnten Klassen der Ostschule. Im Nachgang hatten diese die Möglichkeit, mit dem Regisseur David Bernet zu sprechen.

„Ich hoffe, dass dieser Thementag den Schülerinnen und Schülern das Thema besser näher bringen kann als klassischer Unterricht mit Arbeitsblättern“, sagt Claudia Hinkel, die die Idee hatte, das Globale Schulkino in die Ostschule einzuladen. „Wir haben uns für diesen Film entschieden, auch weil der Workshop zum Thema Fleisch, der im Anschluss stattfindet, ein sehr alltagsnahes Thema in den Mittelpunkt stellt.“ Ein großes Thema sei Ernährung unter den SchülerInnen nicht. „Aber zum Beispiel gibt es Schüler im Leistungssport, die viel darüber reden. Bei den Mädchen geht es dann doch eher um Schönheitsideale. Obwohl es hin und wieder auch mal Stimmen gibt, man dürfe doch keine Tiere essen. Da kommt dann die ethische Komponente zum Tragen.“

Die Aula ist mit etwa 130 SchülerInnen gefüllt. „Nach dem Film habt Ihr die Möglichkeit, Eure Eindrücke zu schildern, dabei geht es nicht darum, ob etwas richtig oder falsch ist“ leitet Jonas Fritzsche die Veranstaltung ein. Er ist einer der vielen ehrenamtlich Mitarbeitenden. Das Globale Schulkino ist ein Angebot des Bildungsvereins Motivés e.V., der auch die Globale Mittelhessen, das globalisierungskritische Filmfestival, federführend organisiert. Zuvor gab es das Globale Schulkino nur als Vormittagsprogramm während des Festivals, seit dem letzten Schuljahr 2013/14 findet das Projekt ganzjährig statt. Schulen können sich beim Verein melden und das Schulkino buchen. Einer von 22 Filmen rund um globale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit kann dann ausgesucht werden. Zu zehn davon bietet das Schulkino auch thematisch passende Workshops an. Zum Film „Raising Resistance“ gehört der Workshop zum Thema Fleischkonsum. „Wir haben Grafiken vorbereitet, die den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und dem Treibhauseffekt oder der Welternährung aufzeigen. Wir haben auch verschiedene Kommentare zusammengestellt, anhand derer sich die Jugendlichen positionieren sollen“, gibt eine der Teamerinnen Ausblick auf den Workshop. Die Nachfrage ist richtig groß, freut sich Timo Wachter, Koordinator des Projekts Schulkino: „Letztes Jahr hatten wir 55 Veranstaltungen. Dieses Jahr sind es schon fast 50, obwohl wir noch fast die Hälfte des Schuljahres vor uns haben.“ Die meiste Arbeit erfolgt allerdings ehrenamtlich. Das Globale Schulkino findet in Kooperation mit dem
Entwicklungspoltischen Netzwerk Hessen statt und wird aus Mitteln des BMZ, dem hessischen Wirtschaftsministerium und Brot für die Welt finanziert. Zur Kostendeckung veranschlagt das Schulkino pro teilnehmender Person 2,50 Euro.

Regisseur David Bernet (links) beantwortet Fragen und erzählt Anekdoten vom Dreh.

Regisseur David Bernet (links) beantwortet Fragen und erzählt Anekdoten vom Dreh.

In der Zwischenzeit läuft der Film. Er zeigt die politischen und sozialen Konflikte zwischen Kleinbauern und ihren Familien und den Soja-Großbauern und anderer Profiteure dieser Industrie. Gentechnisch verändertes Soja, das einen steigenden Pestizideinsatz erfordert, Monokultur-Plantagen, wo früher Regenwald war, „Campesinos“, die in ihrer Existenz gefährdet sind, weil sie nicht mehr genug Nahrung für sich selbst anbauen können. Und all das, um den Futtermittelmarkt in Europa und einigen asiatischen Ländern zu bedienen.Das Thema findet großen Anklang, denn die Nachfragen der SchülerInnen am Ende des Films sind rege. Warum Monsanto nicht stärker thematisiert wurde, möchte eine Schülerin wissen. „Monsanto wurde schon oftmals kritisiert. Weniger bekannt ist, dass die großen Profiteure vor allem die Logistikunternehmen sind. Sie kümmern sich um die ganze Infrastruktur für den Transport, schließen die Verträge mit den Bauern. Deren Namen kennt kaum jemand“, erklärt Regisseur David Bernet. Gleichzeitig räumt er ein: „Leider waren diese großen Konzerne nicht bereit, sich im Rahmen dieses Films zu äußern.“ Ein anderer Schüler fragt, warum die Kleinbauern denn nicht auch angefangen haben Soja anzubauen. „Ein paar haben angefangen, das zu tun, aber es wurde schnell klar, dass die Verträge der Logistiker knallhart sind. Sojaanbau lohnt sich erst ab einer bestimmten Größenordnung, weil die Investitionskosten so hoch sind.“

Hinkel fasst ihre Erwartungen an die Veranstaltung zusammen: „Unser Ziel ist es vor allem, ein Problembewusstsein zu schaffen.“ Davon kann an diesem Vormittag wohl ausgegangen werden. Vielleicht war das Interesse aber auch schon vorher da, immerhin tauchen Nachhaltigkeitsthemen in der als „Umweltschule“ ausgezeichneten Schule im Schulalltag häufig auf.

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