Bundesweite Aktion „Stadtradeln“ – Gießen ist dabei

Ideen sammeln fürs Stadtradeln: Wer mitgestalten möchte, kann sich jetzt einbringen.

Ideen sammeln fürs Stadtradeln: Wer mitgestalten möchte, kann sich jetzt einbringen.

Das Klimabündnis veranstaltet dieses Jahr zum achten Mal den bundesweiten Wettbewerb „Stadtradeln – Radeln für ein gutes Klima“. Alle interessierte Kommunen können sich anmelden und sammeln innerhalb eines dreiwöchigen Zeitraums Fahrradkilometer. Ziel des Wettbewerbs ist es, den Klimaschutz voranzutreiben und den Radverkehr zu fördern. Dieses Jahr wird Gießen zum ersten Mal teilnehmen. Auf einer Informationsveranstaltung im Rathaus konnten sich Bürgerinnen und Bürger über den Ablauf der Aktion informieren, Ideen einbringen und Unterstützung anbieten. Alle sind aufgerufen, beim Stadtradeln mitzumachen und zu zeigen, dass Gießen eine „Fahrradstadt“ ist.

„Wenn eine Stadt ihren CO2-Ausstoß reduzieren möchte, dann ist die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs eine wichtige Maßnahme“, sagt Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich. 2014 haben bundesweit fast 300 Kommunen mitgemacht, dabei sind über 86 000 Rader_innen zusammengekommen. In diesem Jahr will auch Gießen teilnehmen. Gießen sei die Fahrradstadt in Mittelhessen erklärte Weigel-Greilich. Gießen liege nämlich auch vor Wetzlar und Marburg. Schaut man sich den aktuellen ADFC Fahrradklimatest an, so verbesserte sich Gießen im Vergleich zu 2012 zwar geringfügig und stieg von Platz 47 von 252 auf Platz 42 auf. Doch dass Wetzlar auf Platz 82 landet und Marburg sogar auf Platz 87 sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass es noch genug Verbesserungspotenzial gibt, schließlich sagt das relative Ranking nicht viel über die absolute „Fahrradfreundlichkeit“ aus. Fahrradfahrende kennen aus eigener Erfahrung Unannehmlichkeiten wie unfunktionale Fahrradverkehrsführungen, fehlenden Fahrradwege und überhaupt die generelle Bevorzugung des motorisierten Individualverkehrs, die zu beträchtlichen Lebensqualitätsverlusten führt.

Sowohl KommunalpolitikerInnen als auch BürgerInnen sind vom 20. Juni bis zum 11. Juli gefragt, das Fahrrad so oft wie möglich im Alltag einzusetzen. Alle Teilnehmenden müssen sich einmalig registrieren und einem Team zuordnen bzw. als „Kapitän“ ein Team anmelden. Ein Team besteht aus mindestens zwei Personen und ist nach oben hin offen. „Die Zusammenstellung in Teams hat ein bisschen eine Schutzfunktion. So müssen Einzelpersonen nicht offenlegen, wie viele Fahrradkilometer sie zurückgelegt haben“, erklärt Katja Bürckstümmer, Koordinatorin für das Stadtradeln. Dann gilt es die Kilometer aufzuschreiben. „Ein Tacho braucht man nicht, es ist erlaubt zu schätzen, wobei ein unrealistisch hoher Wert natürlich auffällt.“ Die Personen tragen sich also per Internet eigenständig ein oder benutzen die App, die es dazu geben wird. Zahlen der Teilnehmenden in bereits „stadtradelnden“ Städten lagen im letzen Jahr in Darmstadt bei knapp 700 Personen, Frankfurt erreichte über 730 Personen, Bonn sogar über 1500. „Von Bonn weiß ich, dass die Uni 300 Studierende zum mitmachen bewegt hat. Es wäre schön, wenn die Universitätsstadt Gießen das toppen könnte“, hofft Bürckstümmer.

Das Klimabündnis prämiert am Ende bundesweit die Kommune mit den meisten Radkilometern, die Kommune mit den meisten Kilometerzahl pro Einwohner sowie das fahrradaktivste Kommunalparlament. Die Stadt Gießen kann aber eigenständig entscheiden, was sie prämieren möchte. Ob beispielsweise nur diejenigen ausgezeichnet werden sollen, die die meisten Kilometer gefahren sind und die sowieso viel Radfahren oder ob bei einer Tombola alle die gleichen Chancen haben sollen. Zudem sieht der Wettbewerb vor, einen Stadtradel-Star zu benennen. Dieser sollte möglichst ein lokaler Promi mit vorhandenem Auto sein, der in dem Zeitraum komplett auf sein Auto verzichtet. Dafür wird er mit guter Fahrradausrüstung ausgestattet. Dies soll der Vorbildfunktion dienen und zeigen, dass ein Alltag ohne Auto möglich ist. Bislang hat sich in Gießen nur ein möglicher Stadtradel-Star gefunden: Eckard Schneider von der lokalen Agenda 21 Gruppe Energie. Er merkt selbst kritisch an: „Für mich wird es nicht allzu schwer sein aufs Auto zu verzichten, ich bin ja Rentner und muss nicht jeden Tag zur Arbeit fahren. Wenn sich noch jemand anderes findet, dann gerne.“

Die Informationsveranstaltung im Rathaus war nur mittelgut besucht, etwa 30 Personen haben teilgenommen.

Die Informationsveranstaltung im Rathaus war nur mittelgut besucht, etwa 30 Personen haben teilgenommen.

Der Wettbewerbszeitraum beginnt mit einem Aktionstag am 20. Juni. Hierfür sind Gruppen oder Initiativen herzlich eingeladen, Ideen einzubringen und den Aktionstag selbst mitzugestalten. In einer Arbeitsphase während der Informationsveranstaltung sind schon einige Idee zusammengekommen. Sie reichen vom ADFC-Fahrradcheck und einer Fahrradwaschanlage über eine Fahrradselbsthilfewerkstatt bis hin zum Fahrradschlauchwechseln auf Zeit. In den folgenden drei Wochen sollen Begleitaktionen die Aufmerksamkeit für das Fahrrad erhöhen. Auch hier gab es Ideen wie die Dokumentation des Stadtradelns auf einer Wikipedia-Seite, das Mitmachen bei der Critical Mass, die jeden ersten Donnerstag im Monat stattfindet, das Organisieren einer Ausstellung namens „Radlust“ oder die Jugendverkehrsschule der Polizei, die statt Streifenwagen mit dem Fahrrad an die Schulen kommen wird. Die temporäre Sperrung bestimmter Straßen für Autos, um ein Mal auszuprobieren, wie eine Stadt mit weniger Verkehr sich anfühlen würde, war ein weiterer Vorschlag. Es ist trauriger Weise zu vermuten, dass dessen Durchsetzung eher den politischen Willen erfordert als das Engagement von Einzelpersonen.

Die Stadt sucht unterdessen nach Helferinnen und Helfern. Vor allem geht es darum, Flyer zu verteilen und Menschen zum Mitmachen zu bewegen. Weitere Unterstützung bedarf die Akquise von Spenden und Preisen. Es bleibt spannend abzuwarten, wie viele Kommunalpolitiker_innen sich für das Stadtradeln registrieren werden…

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