Diesjähriger Auftakt der Solidarischen Landwirtschaft: Neues Grünzeug aus Kirchsvers

Nach eine kleinen Pause auf dem Hof sind die Räder beladen und es kann losgehen.

Nach eine kleinen Pause auf dem Hof sind die Räder beladen und es kann losgehen.

Etwa 20 Personen mit Fahrrad und Anhänger machten sich am ersten Mai aus Gießen auf den Weg nach Kirchvers. Dort holten sie auf dem Betrieb „Grünzeug“ die erste Ernte des diesjährigen Wirtschaftsjahres der Solidarischen Landwirtschaft ab. Die Fahrradtour bildete den Auftakt der Saison.

Der Betrieb

Der Betrieb „Grünzeug“ in Kirchvers. Von hier stammt das meiste Gemüse der SoLaWi.

„Ich mag den Gedanken, der hinter der Solidarischen Landwirtschaft steht, dass man nämlich für die Landwirtschaft bezahlt und nicht für die einzelnen Produkte“, sagt Timo Wachter, der dieses Jahr zum ersten Mal einen Anteil hat. Das bedeutet, dass er ein Mal in der Woche regionales und saisonales Gemüse und Obst aus biologischem Anbau an einem von mehreren Verteilpunkten in Gießen abholen kann. „Davor hatte ich eine Gemüsekiste, die wöchentlich geliefert wurde“, erzählt er. „Die war zwar ‚bio‘ und ich konnte sie selbst zusammenstellen aber das Gemüse kam vom Großhändler und war auch nicht immer regional.“ In der Solidarischen Landwirtschaft, kurz SoLaWi, startet das Jahr mit einer Bieterrunde, in der die Mitglieder gemeinsam die finanziellen Mittel aufbringen, mit denen der Landwirt für das kommende Wirtschaftsjahr kalkuliert. Solidarisch daran ist einerseits, dass der Landwirt mit einem sicheren Einkommen rechnen kann, unabhängig von der Ernte. Andererseits entscheiden die Mitglieder selbst, wie viel sie im Monat ausgeben können oder wollen. „Der Richtwert lag letztes Jahr bei 53 Euro pro Monat. Die Spannbreite der monatlichen Beträge lag zwischen 20 und 80 Euro“, sagt Annika Schlüter vom Koordinationskreis der SoLaWi Marburg.

Mit Kisten beladen geht es zurück nach Gießen.

Mit Kisten beladen geht es zurück nach Gießen.

Die SoLaWi Marburg, bei der auch Gießen mitmacht, startete im Jahre 2013. Damals gab es rund 80 Anteile. In diesem Jahr sind es mit 156 etwa doppelt so viele, 46 davon fallen auf Gießen. Landwirt Uwe Engelhard bewirtschaftet den Hof in Kirchvers und erklärt, wie er zur SoLaWi kam: „Im Biobereich und in der Direktvermarktung sind solche Initiativen gern gesehen. Da wir auf unserem Hof hauptsächlich Gemüse anbauen und auch eine vielfältige Produktpalette haben, war es kein großer Schritt für uns, für 100 oder mehr Anteile zu produzieren.“ Dabei mache der Anteil der SoLaWi von der Gesamtproduktion des Hofes etwa die Hälfte aus. „Für die Mitarbeiter bedeutet das, dass sie das ganze Jahr über beschäftigt werden können. Alles ist planbarer und besser zu kalkulieren. Zusätzlich werden auch die Produkte abgesetzt, die aufgrund ihrer Form ansonsten als nicht vermarktungsfähig eingestuft würden“, zählt er die Vorteile auf. Die Mitglieder tragen aber auch das Risiko eines Ernteausfalls. Letztes Jahr beispielsweise seien die Zucchini nach der ersten Pflanzung von Schnecken gefressen worden, so dass es sie erst im zweiten Durchgang etwa drei Wochen später gab. Dominik Wittschiebe ist das zweite Jahr begeistertes Mitglied, merkt jedoch an: „Manchmal ist es schwierig, wenn es wochenlang das gleiche Gemüse gibt. Aber dafür entwickelt man ein Bewusstsein, welches Gemüse tatsächlich saisonal ist und dass es im Winter halt keine Tomaten, Paprika oder Zucchini gibt.“

Auf dem Hof angekommen, laden die knapp 50 Personen aus Gießen und Marburg Kisten mit Rucola, Salat, Pak Choi und Radieschen auf ihre Anhänger. Abgeholt werden muss aber normalerweise nicht selber. Ein Mitarbeiter des Betriebs beliefert die Verteilpunkte in den beiden Städten ein Mal in der Woche.

Die SoLaWi organisiert sich dabei selbst. „Das bedeutet aber auch einen ungeheuren ehrenamtlichen Aufwand“, erzählt Schlüter. „Der Koordinationskreis trifft sich wöchentlich, dann gibt es noch verschiedene Arbeitskreise zu Verteilpunkten, Öffentlichkeitsarbeit, Webauftritt, Produktpalette oder Obstwiese, in denen sich die Mitglieder engagieren können.“ Etwa zwei Mal im Jahr finden Mitmachaktionen statt, bei denen die Mitglieder auf dem Hof mithelfen. Es gibt bereits viele Ideen, wohin sich die SoLaWi entwickeln könnte. „Dieses Jahr haben wir eine neue Kooperation mit einem Hofgut in Stedebach. Es wäre schön, die Produktpalette langfristig zu erweitern bis hin zur Vollversorgung“, sagt Schlüter. Erst einmal sind die Gießener Beteiligten aber darauf bedacht, ihre lokalen Strukturen zu festigen. So resümiert Erich Eisfeld von der Gießener Orga-Gruppe: „Wir haben inzwischen einen eigenen Koordinationskreis und an den zahlreichen Mitradelnden sieht man, dass das Engagement der Gießener und Gießenerinnen groß ist.“

SoLaWi6permanenter Link

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