Ein Stadtbummel der konsumkritischen Art

Die meisten Textilien sind aus Baumwolle. Diese wird in Monokulturen mit Unmengen an Wasser, Dünger und Pestiziden angebaut.

„Was bedeutet für euch Konsum?“ Mit dieser Frage startet der „konsumkritische Stadtrundgang“, den die Bildungsgruppe des Weltladens Gießen organisiert hat. Elf Personen sind in die Fußgängerzone gekommen, um über ihre Konsumgewohnheiten nachzudenken und über deren Folgen mehr zu erfahren.

Die Gruppe geht los, mit einem Einkaufswagen, in dem eine aufblasbare Weltkugel und eine Einkaufstüte liegen. Der erste Stop ist ein Handyladen. „Wie viele von euch haben ein Smartphone?“ fragt David Eidens, einer der drei „Stadtführer“ der Bildungsgruppe. Bis auf eine Person besitzen alle Teilnehmenden ein Smartphone, manche sogar zwei. „In Deutschland liegt der Durchschnitt bei zwei bis drei Smartphones pro Person“, erklärt Eidens. Der Hersteller beabsichtige, dass das Handy eine kurze Lebensdauer hat. So sei eine Reparatur oft unmöglich und es komme bei alten Geräten häufig zu Sicherheitslücken. Dass die im Handy verbauten Metalle wie Coltan meist aus Kriegsgebieten stammen, ist den meisten bekannt. Doch der Bildungsgruppe vom Weltladen geht es auch darum, Alternativen aufzuzeigen. „Es gibt das ‚Fairphone‚ oder das ‚Shiftphone‚“, sagt Eidens, „wobei vollständige ‚Fairness‘ bei technischen Geräten noch nicht realisiert wurde. Aber immerhin wird darauf geachtet, möglichst viele konfliktfreie Rohstoffe einzubauen, das Handy in Modulbauweise herzustellen, so dass Komponenten austauschbar sind und es leichter zu reparieren ist, und faire Arbeitsbedingungen in der Herstellung zu gewährleisten.“ Doch auch beim Recycling steht es nicht gut um die Handys. „Es ist sehr schwierig und noch nicht wirtschaftlich, die verschiedenen verbauten Materialien zu trennen.“ Corinna Welck ergänzt: „Aber um zu verhindern, dass das Handy auf einer Müllkippe landet, wo Kinder Kupferdrähte aufschmelzen, kann man sein altes Handy z.B. beim NABU, dem Naturschutzbund Deutschland, abgeben. Der liefert es zurück an den Hersteller, der wiederum garantiert, dass das Auseinanderbauen unter sicheren Bedingungen geschieht. Der NABU bekommt pro Handy einen kleinen Betrag, der in die gemeinnützige Arbeit des Vereins fließt.“

Schutzanzüge bei der Arbeit mit Pestiziden: Auf vielen Plantagen gibt es das nicht.

Schutzanzüge bei der Arbeit mit Pestiziden: Auf vielen Plantagen gibt es das nicht.

Eine Teilnehmerin zeichnet den langen Weg der Jeans auf der Weltkugel nach.

Eine Teilnehmerin zeichnet den langen Weg der Jeans auf der Weltkugel nach.

Die nächste Station der Spazierenden ist eine Bekleidungskette. Hier verdeutlicht Nina Schleicher anhand der Weltkugel, welch einen unglaublich langen Weg die Jeans zurücklegt, bevor sie in Deutschland in den Geschäften landet. Besonders der Baumwollanbau sei problematisch, weil hierbei viel größere Mengen an Pestiziden eingesetzt werden als beim Nahrungsmittelanbau. Auf Biobaumwolle zu setzen schaffe hier Abhilfe, nicht aber bei den Arbeitsbedingungen. Sie empfiehlt Secondhand-Läden, Kleidertauschparties, Flohmärkte oder Textilien mit bestimmen Siegeln. Pestizide spielen auch im Kaffeeanbau eine große Rolle. Die dritte Station des Spaziergangs ist ein Kaffeegeschäft. Im Kaffeeanbau werde das in Deutschland verbotene Pestizid Baysiston eingesetzt. „Die Arbeiter auf den Plantagen können häufig die Gebrauchsanweisung nicht lesen und sind großen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt“, sagt Welck. „Fairtrade“ garantiere sichere Arbeitsbedingungen und einen Mindestpreis für den Kaffee. Pestizide verbietet das Siegel allerdings nicht. „Auf Nummer Sicher geht man, wenn neben dem Fairtrade auch das Bio-Siegel drauf steht“, sagt eine Teilnehmerin.

Der konsumkritische Stadtrundgang fand im Rahmen der „fairen Woche“ statt. Der Weltladen will ihn zukünftig in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen anbieten. Schulklassen oder interessierte Gruppen können das Angebot aber auch gezielt unter bildung@weltladen.de nachfragen. Die Bildungsgruppe verweist außerdem auf die Seite rankabrand, wo man erfahren kann, wie nachhaltig verschiedene (Marken-)Produkte tatsächlich sind.

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