„Dinge, die Spaß machen und gleichzeitig umwelt- und sozialverträglich sind“

Was macht ein "gutes Leben" aus? Vielleicht "schöne Dinge kaufen"...

Was macht ein „gutes Leben“ aus? Vielleicht „schöne Dinge kaufen“…

„Was bedeutet für dich ein gutes Leben?“ Mit dieser Frage werden die Besucher_innen des „Fests des guten Lebens“ am Eingang konfrontiert. Vier Kichererbsen bekommt jede Person in die Hand gedrückt und darf sie wahlweise in Flaschen werfen, die beschriftet sind mit Kriterien wie „Gesundheit“, „gutes Essen/Genuss“, „schöne Dinge kaufen“, „Sinn in dem, was man tut“ oder „Freiheit“. Insgesamt gibt es elf Wahlmöglichkeiten für die vier Kichererbsen.

Über sozial-kommerzielle Medien gab es über 700 Zusagen für das Fest.

Über sozial-kommerzielle Medien gab es über 700 Zusagen für das Fest.

Im Garten der Kü-Ché: Ein buntes Treiben. Selten war der Garten und der Hinterhof der Fachhochschule so voll mit Leuten. Einige sammeln sich um die Feuertonne, andere am Buffet, wieder andere an der Bühne mit Live-Musik. Daneben eine ganze Reihe an Ständen, an denen sich öko-soziale Initiativen aus Gießen vorstellen und mit diversen Mitmach-Aktionen locken.

Kastanien enthalten Saponine, waschaktive Substanzen, so dass sie als alternative zu chemischen Waschmitteln benutzt werden können.

Kastanien enthalten Saponine, waschaktive Substanzen, so dass sie als alternative zu chemischen Waschmitteln benutzt werden können.

Ein paar Leute sitzen auf dem Boden neben einem ganzen Wäschekorb voller Kastanien. Sie schälen und schneiden sie in kleine Stücke. „Kastanien liefern ein regionales Öko-Waschmittel“, erklärt Sylvie Beck von der Greenpeace Gruppe Gießen. „Man muss sie nur mit warmem Wasser aufgießen und eine halbe Stunde warten, dann kann man den dabei entstandenen Sud ins Waschmittelfach der Waschmaschine kippen.“

Notizhefte selbst zu binden, ist gar nicht so schwer. Wer möchte, ein Mal im Monat in gemütlicher Runde...

Notizhefte selbst zu binden, ist gar nicht so schwer. Wer möchte, ein Mal im Monat in gemütlicher Runde…

Am Stand „Papierfluss“ können Bastelfreund_innen ihr eigenes Notizheft aus Altpapier binden. „Der Papierfluss soll solange beibehalten werden, wie es geht. Das Altpapier, das man in der Tonne findet, wird von uns wieder verwendet“, sagt Caro Rauscher, die mit ihrem Projekt Umweltfaktoren mit Kunst und Sozialem verbindet. „Ein Mal im Monat treffen wir uns bei mir im Atelier und stellen solche Hefte her. Wer möchte, kann etwas Spenden, davon bezahlen wir Materialien wie Schneidemesser und Schneidemappe aber auch Essen, dass es bei diesen Treffen immer gibt.“

En-Nosse beim Kochen

En-Nosse beim Kochen

Foodsharing Gruppe und Helfer_innen beim Schneiden

Foodsharing Gruppe und Helfer_innen beim Schneiden

Abderrahim En-Nosse kocht im Rahmen seines Projekts „Supp’cultur und Stadtgeschmack“ aus dem von der „Foodsharing“-Gruppe geretten Lebensmitteln vom Markt drei leckere Suppen mit ganz besonderen Gewürzen. „Wir kochen CO2-neutral vor Ort, im Ort – der Geschmack aber ist global.“

 

Die Fahrradschmiede Crew ist immer Mittwochs ab 18:30h in der Alten Kupferschmiede da.

Die Fahrradschmiede Crew ist immer Mittwochs ab 18:30h in der Alten Kupferschmiede da.

Während dessen ist das Team der Fahrradselbsthilfewerkstatt „Fahrradschmiede“ damit beschäftigt, Fahrräder der Besucher_innen zu begutachten und Tipps zu geben, wie Gangschaltung oder Bremsen besser eingestellt werden können. Was die Fahrradselbsthilfewerkstatt für Fahrräder ist, ist das „Texti-Repair Café“ für Kleidungsstücke, die jeden 1. und 3. Dienstag im Monat im „ALI-Café“ wieder geflickt werden können. „Wir stellen die Nähmaschinen und geben Hilfestellung bei der Reparatur, die Materialien müssen selbst mitgebracht werden“, sagt Dorothea Landgraf.

Aus Tetrapacks wurden kleine Pflanzgefäße für Küchengewürze gebastelt.

Aus Tetrapacks wurden kleine Pflanzgefäße für Küchengewürze gebastelt.

Die Veranstalter, „Transition Town Gießen“ und „Fest.Land“ sind begeistert von den geschätzten 700 Personen, die den Tag über da waren. „Die Unterstützung, die wir in der Organisation bekommen haben, war absolut überwältigend“, sagt Nils Seipel von Transition Town Gießen. „Wir merken, dass das Thema total viel Resonanz hervorruft“.

Die Transition Town Gruppe hat außerdem das neue Projekt „Giessen teilt“ ins Leben gerufen: Ein Schild auf dem Briefkasten der jeweiligen Bewohner_innen soll zeigen, welche Gegenstände sie mit der der Nachbarschaft teilen wollen, ob Bohrmaschine, Pürierstab oder Fahrradanhänger. Mal sehen, wie Viele die Schilder, die es zum Mitnehmen gibt, tatsächlich aufhängen werden…

Ein Blick auf die Verteilung der Kichererbsen verrät, das die meisten Personen „guten Beziehungen“ und „Familie“ besonders große Bedeutung beimessen. Auf den letzten Plätzen landen „gutes Gehalt“ und „schöne Dinge kaufen“. Das Ergebnis passt auch zu der einen oder anderen Erklärung, was die Vorstellung vom „guten Leben“ für Auswirkungen auf den Alltag habe. „Für mich bedeutet das einen guten Umgang miteinander zu haben, auf andere zu achten, auch ohne Gegenleistung zu helfen“, sagt eine Person. Für andere bedeutet es „Dinge zu machen, die mir Spass machen, die aber gleichzeitig umwelt- und sozialverträglich sind“ oder „den ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten, indem ich zum Beispiel Lebensmittel ohne Verpackungen kaufe.“ Kritik gibt es allerdings auch: „Ich sehe hier vor allem wohlsituierte weiße Personen und zweifele daran, dass da die ganze Gesellschaft mitgedacht wird.“

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