Von Agorá bis zu den Yes Men – Ein Rückblick auf die Globale 2016

Filmgespräch mit Jens Schanze, dem Regisseur des Films "La Buena Vida"

Filmgespräch mit dem Regisseur des Films La Buena Vida Jens Schanze

Gastbeitrag von Max Stricker, einem der vielen Helfer*innen des globalisierungskritischen Filmfestivals

Am Freitag vor einer Woche hat die sechste „Globale Mittelhessen“ an ihrem neuen Termin im kalten Januar (statt im ursprünglichen November) eröffnet. An diesem Abend haben sich im Theater im Marburger G-Werk rund 160 Leute eingefunden um gemeinsam den Eröffnungsfilm „Auf der Seite der Braut“ anzusehen und sich im Anschluss an einem Filmgespräch zu beteiligen. Es war so unerwartet voll, dass wir leider um die 20 Leute wieder weg schicken mussten. Dafür möchten wir uns auch hier noch einmal entschuldigen. Zu Gast waren an diesem Abend Teile des Filmteams und einer der Protagonisten, der nach einer musikalischen Einlage seinerseits dem Publikum für Fragen zur Verfügung stand. Mehr Infos zum Festival an sich findet ihr im vorangegangenen Artikel.

Am folgenden Tag zog die Konstellation nach Gießen, um das Festival auch im zweiten großen Spielort zu eröffnen. Auch hier gab es einen vollen Kinosaal. Unter der Woche gab es dann in sechs unserer Spielorte ein bis zwei Filmvorführungen am Abend mit anschließenden, vielfältigen Diskussionen. Oft hatten wir das Glück, im Anschluss an einen Film Regisseur*in oder Protagonist*in zum Gespräch zu haben. Die können natürlich am besten über ihren Film, ihre Motive und ihre Arbeit allgemein berichten. Mit einer geschätzten durchschnittlichen Besucherzahl von 40 Zuschauern waren unsere Veranstaltungen konstant gut besucht. Die genauen Zahlen folgen.

Die Gäste für den nächsten Film warten schon geduldig an der Kasse im Jokus.

Die Gäste für den nächsten Film warten schon geduldig an der Kasse im Jokus.

Viele Filme thematisieren eine Problematik oder zeigen die schlechte Situation von Leuten auf, an der die einzelnen Kinobesucher*innen oft nicht direkt etwas ändern können. Deshalb freut es mich besonders, dass wir dieses Jahr ein paar Filme dabei hatten, die jeden einzelnen Verbraucher zum Handeln auffordern. Falls nicht schon im Film geschehen, versorgten im Anschluss Referent*innen die interessierten Zuschauer mit reichlich Informationen und Ideen zum aktiv werden.

So war zum Beispiel zum neu erschienenen Film „The True Cost“ über die Kleidungsindustrie und deren soziale sowie ökologische Folgen die Bekleidungsingenieurin Claudia Lehel-Slepica zu Gast. Sie war lange Zeit im im Sportswearbereich bei namhaften Firmen tätig. 2013 machte sie sich mit ihrem Upcycling- Projekt JOYUP SAREE selbständig. So konnte die Referentin sowohl über die aktuellen Zustände im Bereich der konventionellen Textilproduktion als auch von ihren Erfahrungen in der nachhaltigen und fairen Produktion von Kleidung berichten. Zusammen mit Moderation und Publikum konnten so Ideen gesammelt werden, wie jede*r für sich Konsequenzen ziehen kann, um die miserable Situation in der Textilherstellung wenigstens ein bisschen zu verbessern.

Am Samstag ging es sowohl im Spielort Gießen als auch im Marburger Capitol um das Thema Ernährung und Lebensmittelverschwendung. Zum Film „10 Milliarden“ in Gießen haben die lokalen Lebensmittelretter*innen ihre Beute vom Wochenmarkt ins Jokus gebracht und dort zu leckeren Häppchen verarbeitet und den zahlreichen Gästen gereicht. In Marburg gab es eine ähnliche Aktion mit den dortigen Lebensmittelrettern*innen und der Unterstützung des Kochaktivisten Wam Kat, der den weiten Weg aus dem brandenburgischen Bad Belzig auf sich genommen hat, um mit dem Publikum im Anschluss zum Film „Wastecooking“ über die Absurditäten der Lebensmittelverschwendung zu debattieren. Wam Kat konnte eine Einschätzung dazu abgeben, was sich in Deutschland und den Nachbarländern Belgien und den Niederlanden im Bereich Lebensmittelverschwendung verbessert.

Diese beiden Beispiele stehen natürlich nur stellvertretend für das bunte Programm des jährlich stattfindenden Filmfestivals „Globale Mittelhessen“. Aber sie zeigen Kernelemente des Grundgedankens auf. Es ist uns nämlich wichtig, die lokalen Initiativen, die heutzutage schon zahlreich in unserer Region vertreten sind, mit einzubeziehen und so den Bogen vom reinen Diskutieren hin zum Aktivwerden zu schlagen.

Das Festival lebt nicht nur von der Beteiligung verschiedener Initiativen sondern auch von der Beteiligung der einzelnen Personen. Die „Globale“ kann nur dank der vielen engagierten Menschen stattfinden, die sich ein ganzes Jahr mit der Planung des Festivals beschäftigen. Sie recherchieren passende Filme und Neuerscheinungen, durchforsten die Programmhefte verwandter Festivals und Veranstaltungen und arbeiten sich in die verschiedenen Themenbereiche ein. Nachdem die Filmauswahl für das kommende Festival steht wird das Programm entworfen und passende Referent*innen eingeladen. Und deshalb brauchen wir euch. Je mehr Leute an der Planung und Durchführung beteiligt sind, desto weniger Arbeit fällt auf den Einzelnen. So kann auch das Team der Globale das Festival genießen. Da die Globale davon lebt, nah an den jeweiligen Initiativen vor Ort zu sein und sie in die Planung mit einzubeziehen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, ist es von Vorteil in den verschiedenen Spielorten eine breite Helferbasis zu haben.

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