Neuer „Fair-Teiler“ der foodsharing Gruppe beim Schiffenberger Weg

Die Foodsaver räumen den "Fair-Teiler" ein.

Die Foodsaver räumen den „Fair-Teiler“ ein.

Ein Stahlschrank mit leeren Kisten. Es ist der „Fair-Teiler“ von „foodsharing Gießen“, der am Unteren Rain 2, einer Abzweigung des Schiffenberger Wegs steht. Ein Schrank, der genutzt werden soll, um Lebensmittel vor der Tonne zu retten: Alle, die Lebensmittel nicht mehr brauchen, die aber noch gut sind, können sie hier hineinstellen. Ebenso kann sich jeder Lebensmittel aus dem Schrank nehmen. „Ich schaue hier schon immer mal wieder rein, ob es was zum mitnehmen gibt“, sagt eine Frau, die gerade mit dem Fahrrad unterwegs ist. Auch eine Anwohnerin ist auf dem Heimweg und wirft einen Blick in den momentan leeren Schrank: „Die meisten guten Sachen sind ziemlich schnell weg.“ Es dauert nicht lange, da kommen auch schon die „Foodsaver“. Heute sind es Juliana Lorenz, Katharina Kestel und Jakob Pferdmenges, die Lebensmittel von einem der Betriebspartner abgeholt haben und nun in den Schrank räumen. „Der Großteil der geretteten Lebensmittel kommen vom organisierten ‚foodsharing‘ aber wir würden uns freuen, wenn auch andere Leute Lebensmittel herbringen, bevor sie im Müll landen“, sagt Kestel. Inzwischen gibt es fast in jeder größeren Stadt in Deutschland eine foodsharing Gruppe, so auch in Gießen. Sie organisiert sich selbst und holt bei Partnerbetrieben regelmäßig Lebensmittel ab, die nicht mehr verkaufsfähig sind. Dazu gehören inzwischen neben dem Wochenmarkt, eine Vielzahl von Bäckereien sowie auch einige Einzelhandelsketten.

Die Idee entwickelte sich 2011 als Raphael Fellmer in Berlin begann mit Betrieben zu kooperieren, um zu verhindern, dass Lebensmittel im Müll landen. Wenig später erzielte der Film „Taste the Waste“ von Valentin Thurn großes mediales Echo. Daraufhin entwickelte sich die Lebensmittel-Verschenk-Plattform foodsharing.de, mittels derer Haushalte und Betriebe überflüssige Lebensmittel teilen können. Lebensmittelretten.de war eine andere Plattform, die es Foodsavern ermöglichte die Abholungen von Betrieben zu koordinieren. Inzwischen sind beide Plattformen fusioniert. Auf der Seite können Personen „Essenskörbe“ hineinstellen, also Lebensmittel die abgeholt werden können, oder sie können sehen, wo es „Fair-Teiler“ in ihrer Nähe gibt.

Während „Foodsharer“ als Privatpersonen Lebenmittel teilen, organisieren sich „Foodsaver“ gezielt und machen Abholungen bei den Partnerbetrieben. In Gießen sind es über 60 Personen, die als Foodsaver Lebensmittel retten. „Das hört sich nach einer großen Zahl an“, sagt Lorenz, „aber wir haben mittlerweile auch immer mehr Partnerbetriebe. Daher suchen wir dringend nach Verstärkung. Wir brauchen Leute, die langfristig regelmäßige Abholungen übernehmen wollen.“ Das bringt auch folgenden Vorteil: „Als Foodsaver kann man sich regelmäßig mit Essen eindecken.“

Obst, Gemüse, Salat und Backwaren bringen die Foodsaver mit. Aber eigentlich ist der "Fair-Teiler" für alle da, um Lebensmittel zu tauschen.

Obst, Gemüse, Salat und Backwaren bringen die Foodsaver mit. Aber eigentlich ist der „Fair-Teiler“ für alle da, um Lebensmittel zu tauschen.

Heute gibt es viel Salat, einiges an Gemüse und etwas Gebäck. „Die Lieferung ist aber vergleichsweise klein“, weiß Pferdmenges. Den „Fair-Teiler“ gibt es seit etwa zwei Monaten und ist bisher der einzige in Gießen. Daneben werden Lebensmittel mehrmals in der Woche im Café Amélie getauscht. Mittwochs und Samstags um 15 Uhr gibt es Gemüse, Montags um 19:30 Uhr und Donnerstags und Freitags um 19 Uhr gibt es Brot.

Nicht alle Partnerbetriebe wollen beim Namen genannt werden. Lorenz erklärt sich das folgendermaßen: „Einige werben damit, Partner von ‚foodsharing‘ zu sein. Andere befürchten einen Imageschaden, vielleicht weil ihre Kunden mit Lebensmittelretten und Containern nicht viel anfangen können.“

„Wir wollen so ökologisch wie möglich sein und holen die Sachen in der Regel mit Fahrrädern ab. Wenn es mal besonders viel gibt, müssen wir aber leider auch mal das Auto nehmen“, sagt Lorenz. „Daher suchen wir gerade eine Möglichkeit, einen großen Fahrradanhänger zu finanzieren.“ „Wir helfen alle ehrenamtlich mit und haben daher auch kein Budget“, ergänzt Kestel. Inzwischen gebe es auch vermehrt Angebote von Kantinen oder Catering-Services. Die Abholung gestalte sich aber aufgrund der entfernt liegenden Standorte als zu schwierig.

Immer wieder werden die Foodsaver nach dem Unterschied zur Tafel gefragt. „Wir bieten zum einen eine Tauschplattform und zum anderen spielt es keine Rolle, wer die Lebensmittel abholt. Es bedarf keines Berechtigungsnachweises.“

Wer Lust bekommen hat mitzumachen, kann jeden ersten Dienstag im Monat zum Gruppentreffen kommen. Das findet immer um 20 Uhr in der Alten Universitätsbibliothek in der Bismarkstraße 37 statt. Die Gruppe ist zudem über facebook erreichbar.

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