Solidarische Landwirtschaft startet ins vierte Wirtschaftsjahr

Mit beladenen Anhängern zu fahren, ist gar nicht so leicht. Bergauf musste streckenweise geschoben werden.

Ein Elektroanhänger war dabei, der mit aufladbarem Akku die fahrradfahrende Person unterstützt. Deshalb konnten auf diesem Anhänger die meisten Kisten transportiert werden.

Auf den Anhängern der Fahrradkolonne befinden sich grüne Kisten. Es sind keine Bierkästen, wie sonst am ersten Mai häufig zu sehen, sondern Gemüsekisten. Es ist der Auftakt des vierten Wirtschaftsjahres der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) Marburg und Gießen. Hierzu trafen sich rund 20 der Gießener Mitglieder und holten die erste Ernte mit den Fahrrädern in Kirchvers ab. Dort ist der Sitz des Hofes „Grünzeug“, der die SoLaWi beliefert. „Insgesamt gibt es dieses Jahr 195 Anteile, 74 davon aus Gießen, der Rest aus Marburg“, weiß Cécile Guillet, die das dritte Jahr dabei ist und sich ehrenamtlich im Arbeitskreis Verteilpunkte engagiert.

Die Idee der SoLaWi ist es einerseits, ökologische und regionale Landwirtschaft und faire Arbeitsbedingungen zu unterstützen. Andererseits soll aber niemand aufgrund mangelnder finanzieller Ressourcen ausgeschlossen werden, weshalb es vor dem Start jeden Wirtschaftsjahres Bieterunden gibt. Der Landwirt gibt vor, wie viel er für das anstehende Wirtschaftsjahr braucht. Alle bis dahin angemeldeten Teilnehmenden geben dann an, wie viel sie für einen Anteil bereit sind zu zahlen. Die Runden wiederholen sich so lange, bis der zuvor genannte Betrag erreicht ist. Der Durchschnittsbetrag für einen Anteil liegt dieses Jahr bei 56 Euro pro Monat. Für einen Anteil erhält jedes Mitglied ein Mal in der Woche eine bestimmte Menge Gemüse. „Zu Beginn der Saison ist die Menge noch nicht so groß, im Sommer und im Herbst hingegen schaffe ich es kaum, alles aufzubrauchen“, erzählt Guillet.

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Auch der Hund ist bei der Fahrradtour nach Kirchvers dabei.

Mund-zu-Mund-Propaganda ist die beste Werbung. Die meisten haben über durch „Hörensagen“ oder über Bekannte von der SoLaWi erfahren.

Mund-zu-Mund-Propaganda ist die beste Werbung. Die meisten haben über durch „Hörensagen“ oder über Bekannte von der SoLaWi erfahren.

Die Fahrradfahrenden sind inzwischen in der Kü-Ché angekommen und breiten die Gemüsekisten aus. Langsam trudeln weitere Personen ein und holen ihre Anteile ab. Das sind heute ein Kilogramm Kartoffeln, 500 Gramm Rote Beete, ein Kopfsalat und ein Pak Choi. Normalerweise beliefert „Grünzeug“ jeden Donnerstag die inzwischen fünf verschiedenen Verteilpunkte in Gießen, wo die Anteile dann individuell abgeholt werden. Dieses Jahr sind zwei neue Verteilpunkte hinzu gekommen, denn die Anzahl an Mitgliedern ist gestiegen. Letztes Jahr waren es nämlich nur 46 Anteile. Zeigt dieser Trend, dass verantwortungsvoller Konsum immer mehr Menschen immer wichtiger wird? „Ich glaube schon, dass ein Wandel stattfindet. Zudem haben wir dieses Mal viel Werbung gemacht“, sagt Steffen Schmidt, der von Anfang an dabei ist. Während es zu Beginn vor allem Studierende waren, die mitgemacht haben, seien es inzwischen auch mehr ältere Personen und Familien.

Viele sitzen noch gemeinsam im Kü-Ché-Garten und freuen sich über die Speisen, die jene vorbereitet haben, die nicht an der Fahrradtour teilgenommen haben. „Ich finde die Aktion mit der Fahrradtour super“, sagt eine Frau, die dieses Jahr zum ersten Mal mitmacht. „So hat man die Gelegenheit, sich kennenzulernen.“ Sie teilt sich ihren Anteil mit einer weiteren Person. „Ich dachte, ich probier’s einfach mal aus, weil es eine gute Sache ist. Bin gespannt, was das Jahr so bringt.“

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