Ausstellungseröffnung Hessen fairändert und was es mit den Fair Trade Towns auf sich hat

Die Ausstellung Hessen fairändert ist ein Kooperationsprojekt von "Weltläden in Hessen e.V." und dem "Entwicklungspolitischen Netzwerk Hessen". Feedback/Verbesserungsvorschläge können gerne weitergegeben werden.

Die Ausstellung „Hessen fairändert“ ist ein Kooperationsprojekt von „Weltläden in Hessen e.V.“ und dem „Entwicklungspolitischen Netzwerk Hessen“. Feedback/Verbesserungsvorschläge können gerne weitergegeben werden.

Im Gießener Rathaus gibt es vom 6. bis zum 16. Juni die Ausstellung „Hessen fairändert“ zu sehen, in der zehn Rollups auf der Galerie vor der Stadtbibliothek über die Thematik des Fairen Handels informieren. Dies bietet auch die Gelegenheit, Gießen als „Fair Trade Town“ vorzustellen.

„Wichtig ist, dass die Ausstellung nicht nur Informationen liefert, sondern auch immer Handlungsmöglichkeiten aufzeigt“, betont Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, die der Ausstellungseröffnung beiwohnte. „Es ist ein gut gewählter Ort, denn hier herrscht viel Publikumsverkehr“. Auch als „Fair Trade Town“ ist Gießen dabei, die Thematik in die Öffentlichkeit zu tragen. Seit 2011 hat die Stadt diese Zertifizierung. „Die Kriterien sind relativ niederschwellig aber es geht vor allem um Öffentlichkeitswirksamkeit“, sagt Katrin Schlechtriemen, Vertreterin des Weltladens bei der Fair-Trade-Town-Initiative. Um die Auszeichnung zu erhalten, muss eine Stadt mit 80 000 EinwohnerInnen beispielsweise elf Geschäfte und neun Gastronomiebetriebe aufweisen, die Fair Trade Produkte verkaufen oder ausschenken (Gießen liegt darüber, wie man im „Einkaufsfairführer“ nachlesen kann) und auf den Sitzungen der Ausschüsse im Rathaus muss fair gehandelter Kaffee serviert werden. Koordiniert wird das Ganze durch die „Steuerungsgruppe“, in der unter anderem VetreterInnen der Verwaltung, des Weltladens, der VerbraucherInnenberatung, der lokalen Agenda 21 und der Kirche zusammen kommen. Sie liefert Ideen und Impulse, wie der Faire Handel einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

Die Weltläden als „Keimzelle des Fairen Handels“,wie Claudia Heimbach, Sprecherin des Steuerungskreises, es formuliert, kommt dabei eine tragende Rolle zu. So wurde in einer Aktion fairer Kaffee im Rathaus ausgeschenkt, um die Abteilungen dazu zu bewegen, mehr faire Produkte zu kaufen. „Abteilungen, die sich nicht mit dem Dschungel an Siegeln auseinandersetzen wollen, stehen wir beratend zur Seite“, sagt Schlechtriemen.

Insbesondere im öffentlichen Beschaffungswesen bleibt noch viel Potenzial, den Anteil fair gehandelter Ware zu erhöhen. Immerhin handelt es sich bei der Verwaltung und den kommunalen Ver- und Entsorungsunternehmen um riesige „Konsumenten“. „Die Schwierigkeit liegt vor allem auf rechtlicher Seite. Zwar kann man Nachhaltigkeitskriterien in Ausschreibungen aufnehmen, diese dürfen aber nicht dazu führen, dass bestimmte Unternehmen ausgeschlossen werden und eventuell klagen“, erklärt Schlechtriemen. So müsse man in der Formulierung darauf achten, nicht ausschließlich Fair Trade Produkte zu fordern. Ein weiteres Problem sei die Definition von „fair“, denn nicht immer gebe es eindeutige Siegel. Während klassische Produkte wie Kaffee, Tee, Kakao, Rohrzucker und Bananen inzwischen sehr gut in Fair Trade Qualität erhältlich sind, seien Textilien und Smartphones noch ein riesiges Handlungsfeld. Einige Erfolge seien allerdings schon zu verzeichnen, betont Grabe-Bolz: „Die Gießener Feuerwehr bezieht ihre Berufskleidung von einem Unternehmen, das Mitglied in der ‚fair ware foundation‘ ist.“

Die Ausstellung, die erstmals 2005 entwickelt und inzwischen aktualisiert wurde, geht nicht nur auf das Problemfeld der Lebensmittelproduktion, sondern auch der Textilindustrie und Unterhaltungselektronik ein. „Die Ausstellung zeigt zudem anhand konkreter Beispiele in Hessen, wie man sich engagieren kann“, ergänzt Cristina Pflaum, Mitarbeiterin des Vereins „Weltläden in Hessen“, der zusammen mit dem „Entwicklungspolitischen Netzwerk Hessen“ an der Konzeptionierung der Ausstellung beteiligt war. Ein Quiz zur Ausstellung gibt es auch. Wer mitmacht, kann Sachpreise oder Gutscheine des Gießener Weltladens gewinnen.

Das Fair Trade Siegel

Für Lebensmittel ist das blau-grüne Fair Trade Siegel wohl das bekannteste. Es garantiert die Einhaltung bestimmter arbeitsrechtlicher Standards der ILO (International Labour Organization) und einen Mindestpreis für die Rohstoffe sowie eine Prämie, durch die z.B. soziale Projekte in den Produktionsbetrieben finanziert werden können. Im Gegensatz zum Bio-Siegel sind Pestizide allerdings erlaubt. Bei ihrer Verwendung müssen aber die entsprechenden Arbeitsschutzbestimmungen eingehalten werden. “Mischprodukte“aus mehreren Zutaten, müssen aus mindestens 20 Prozent fair gehandelten Zutaten bestehen. Die Zahl wurde 2011 von 50 auf 20 Prozent heruntergesetzt, um einen breiteren Absatz zu erreichen. Pflaum betont: „Es gibt aber den Grundsatz, dass alle Zutaten, die fair gehandelt bezogen werden können, auch fair gehandelt sein müssen. Dieser 20-Prozent-Anteil betrifft nur ganz wenige Produkte.“

permanenter Link

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: