Die Faire Woche mit Linsen aus dem Libanon

Die Hülsenfrüchte, die es im Weltladen zu kaufen gibt, stammen aus dem Libanon. Eine Vertreterin eines Produzenten wird über die Wirkungen des Fairen Handels berichten.

Die Hülsenfrüchte, die es im Weltladen zu kaufen gibt, stammen aus dem Libanon. Eine Vertreterin eines Produzenten wird über die Wirkungen des Fairen Handels berichten.

Die Faire Woche, die bundesweit vom 19. bis 30. September stattfindet, möchte auf den Fairen Handel aufmerksam machen. Im Interview dazu Katrin Schlechtriemen, Vertreterin des Weltladens Gießen.

Was verfolgt die Faire Woche und welche Rolle spielt der Weltladen dabei?
Die Faire Woche ist die größte Aktionswoche zum Fairen Handel und wird vom Forum Fairer Handel zusammen mit TransFair und dem Weltladen Dachverband organisiert. Das Besondere ist, dass sich alle, die Lust haben, beteiligen können, vom Einzelhandel und Gastronomie über Kirchen bis hin zu Schulen. So bietet der Bioladen Klatschmohn beispielsweise ausgewählte Gerichte mit Hülsenfrüchten im Bistro an. Das übergeordnete Thema dieses Jahr ist die Wirkung des Fairen Handels, denn es geht nicht nur darum, den Fairen Handel zu bewerben, sondern vielmehr zu zeigen, was er bewirkt. Auch Leute, die hin und wieder fair gehandelte Produkte kaufen, sollen an dieser Stelle noch tiefer informiert werden.

Die meisten denken bei Fairem Handel an Mindestlöhne und soziale Standards…
… Der faire Preis ist tatsächlich nicht das Wichtigste. Vor allem spielen Partnerschaftlichkeit, Transparenz und Dialog eine Rolle. Das beinhaltet dann auch, existenzsichernde Löhne zu zahlen oder über sogenannte „living wages“ zu diskutieren, aber es geht auch noch darüber hinaus. Beispielsweise sind demokratische Strukturen und Mitbestimmungsmöglichkeiten sehr wichtig. D.h. faire Bezahlung würde als auschließliches Kriterium gar nicht ausreichen, um zertifiziert zu werden.

Im Weltladen gibt es in der Fairen Woche Kostproben von Gerichten aus Hülsenfrüchten.

Im Weltladen gibt es in der Fairen Woche Kostproben von Gerichten aus Hülsenfrüchten.

In Gießen haben Sie den Themenschwerpunkt auf den Libanon und auf Hülsenfrüchte gesetzt. Wie sind Sie darauf gekommen?
Weil es ja darum geht, zu zeigen, wie der Faire Handel wirkt, haben wir einen Produzenten unseres Handelspartners „Fair Trade Lebanon“ eingeladen. Von diesem Handelspartner beziehen wir hauptsächlich Hülsenfrüchte. „Fair Trade Lebanon“ ist dabei so etwas wie ein organisatorisches Dach, das vor allem Kleinproduzenten wie Familien, Kleinbauern und Kooperativen Vermarktungsmöglichkeiten eröffnet. Unser Gast Mona Bouazza wird am 29. September stellvertretend für die verschiedenen Produzenten erzählen, was ihnen wichtig ist und was es bedeutet, wenn wir hier die Linsen aus ihren Kooperativen kaufen. Wir wollen ihre Sicht der Dinge erfahren und ihnen zeigen, wie das Leben hier vonstatten geht.

Wie hat sich der Faire Handel in den letzen Jahren entwickelt?
Der Faire Handel hatte jeweils zweistellige Zuwachsraten, bis zu 25%. In absoluten Zahlen entsprechen die Ausgaben für fair gehandelte Produkte 10 Euro pro Bundesbürger und Jahr. Wir haben also einerseits sehr große Zuwachsraten, was nicht zuletzt den Discountern zu verdanken ist, andererseits sind die absoluten Zahlen immer noch sehr gering. Somit ist noch großes Potenzial nach oben da.

Sie erwähnen die Discounter. Da fragen sich sicherlich manche, ist wirklich auch „fair“ drin, wo „fair“ drauf steht?
Graue Schafe gibt es überall, wir kennen das ja auch aus der Bio-Branche. Grundsätzlich wird „Fair Trade“ aber TÜV-ähnlich geprüft. Insofern muss sich auch ein klassischer Discounter dieser Prüfung unterziehen. Vorsicht ist eher bei Siegeln geboten, die ähnlich aussehen. z.B. „fair globe“ oder „rainforest alliance“, das ist kein Fairer Handel, wie wir ihn vom Weltladen verstehen. Graue Schafe hin oder her, die Kaufentscheidung zeigt dem Einzelhändler: Der Verbraucher ist interessiert. Und je größer der Umsatz, desto mehr wird drauf geschaut.

 

Die kommenden Veranstaltungen des Weltladens im Überblick:

  • Donnerstag, 29.9.2016: „Wie wirkt der faire Handel?“ Vortrag mit Diskussion & kulinarischen Kostproben. 19 Uhr | ESG, Henselstr. 7 – Eintritt frei – um Spenden wird gebeten.
  • Donnerstag, 27.10. und 17.11.2016: Kochkurse ,,Hülsenfrüchte – vegan & vegetarisch“
    20 EUR p. P. (17 EUR ermäßigt), jeweils 17:30 Uhr in Lehrküche der JLU, Infos & Anmeldung im Weltladen
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