Landkreis Gießen startet mit dem Masterplan Klimaschutz

Ein Fauxpas: Leider wurde bei den belegten Brötchen nicht daran gedacht, dass es auch vegane Varianten gibt, die gegenüber tierischen Produkten klimafreundlicher sind.

Wie können mehr Bürgerinnen und Bürger einen nachhaltigen Lebensstil pflegen, so dass sie zu den neuen Klimaschutzzielen aus dem Masterplan beitragen können? Darum drehte sich der Workshop, zu dem verschiedene lokale Nachhaltigkeitsinitiativen, unter anderem die Solidarische Landwirtschaft, Foodsharing, der Ernährungsrat oder die Free School ins Rathaus eingeladen wurden.

Seit Anfang Juli ist der Landkreis Gießen nämlich eine von 22 Masterplan-Kommunen in Deutschland. Der Landkreis erhält über vier Jahre lang eine finanzielle Förderung vom Bundesumweltministerium und soll bestimmte Klimaschutzziele erreichen: Bis 2050 sollen die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um 95 Prozent sinken, der Energieverbrauch soll sich bis dahin halbieren. Björn Kühnl stellt die vorläufige CO2-Bilanz vor: „Mit über 80 Prozent machen Verkehr und Wärme die größten Anteile aus, Strom trägt mit weniger als 20 Prozent zu den CO2-Emissionen bei.“ Er ist der Masterplanmanager, der den vierjährigen Prozess begleitet. Die Maßnahmen für den „Masterplan 100% Klimaschutz“ sollen bis September 2017 stehen. Dann beginnt die Umsetzungsphase bis Juni 2020. Für neun verschiedene Handlungsfelder werden nun erst einmal Ideen gesammelt. „Wir beschäftigen uns heute mit dem Handlungsfeld ’nachhaltiger Konsum‘, für das die Suffizienzstrategie bedeutsam ist. Es geht um die Frage, inwiefern wir unseren Energie- und Rohstoffverbrauch reduzieren können, ohne uns zu sehr einzuschränken“, erklärt er. Weitere Handlungsfelder sind beispielsweise nachhaltige Produktion, klimaneutraler Gebäudebestand oder nachhaltige Multimobilität. Der Landkreis wünscht sich einen Austausch mit den lokalen Initiativen, die größtenteils in der Stadt anzutreffen sind. „Wir möchten sogenannte Change Agents fördern. Das heißt, Initiativen oder Akteure, die als Pioniere fungieren, weil sie bereits bestimmte Aspekte einer nachhaltigen Lebensführung umsetzen.“

Eine der Gruppen in der Diskussion: Zweifel, ob „grüne“ Wirtschaftsförderung mit Einschränkungen im Konsum vereinbar sind.

In zwei Gruppen werden Ideen und Maßnahmen zu den Themenfeldern Ernährung/Landwirtschaft bzw. Konsum diskutiert. Mehrweg in der Gastronomie, sei es bei der Salattheke oder beim Coffee-to-go, regionales und saisonales Angebot in Großküchen von der Schule bis zur Uniklinik, die Verbreitung des Konzepts der Solidarischen Landwirtschaft bei Landwirten, das sind nur einige der Ideen. Einigkeit besteht auch darüber, dass Bildungsarbeit essenziell ist. „Bildung sollte immer mit Erlebnissen verbunden werden, nur so ist nachhaltiges Lernen möglich“, betont eine Person. Eine andere schlägt vor, Suppenfeste zu organisieren: „Gemeinsam zu essen verbindet die Menschen, so können Brücken zwischen Kulturen geschlagen werden.“ Deutlich wird auch, dass ein Ort gewünscht wird, an dem Begegnung möglich ist, so etwas wie ein Umwelt- oder Nachhaltigkeitszentrum. Aber auch Konfliktlinien klingen an. Wie passen Wirtschaftsförderung einerseits und die Einschränkung von Konsum andererseits zusammen? Könnte die Zusammenarbeit mit der Politik dazu führen, dass die Initiativen finanziell abhängig werden oder ihre Arbeit durch bürokratische Hürden erschwert wird?

„Wir werden alle Ideen aufnehmen“, sagt Kühnl. „Auf der Beteiligungsplattform im Internet können sie dann von Allen kommentiert oder neue Ideen hinzugefügt werden.“ Die Förderrichtlinie sieht vor, dass die Bevölkerung an der Auswahl und Umsetzung beteiligt ist. Hierzu ist die Website klimaschutz-lkgi.de gerade im Aufbau. Hier kann man auch von den kommenden Veranstaltungen und Workshops erfahren, zu denen die Bürger_innen eingeladen sind. „Natürlich wird nicht alles in drei Jahren umgesetzt werden können, daher müssen wir die Maßnahmen nach der Effektivität und Umsetzbarkeit bewerten und priorisieren“, gibt Kühnl zu bedenken, aber die Maßnahmen seien nur Orientierungspunkte, die in der Regel recht allgemein gehalten sind, so dass auch weiterhin Spielräume vorhanden sein werden.

Für die Städte und Gemeinden des Landkreises werden demnächst Entwürfe für sogenannte Klimaschutzkurzkonzepte erstellt. Gießen bekommt dann voraussichtlich im November eine_n Klimaschutzmanager_in, die/der die Maßnahmen koordinieren wird, die dann konkret für Gießen ausgearbeitet sein werden.

Es handelt sich um die zweite Förderrunde für den Masterplan Klimaschutz. In der ersten Runde 2012 wurden 19 Kommunen gefördert, darunter Marburg-Biedenkopf und die Stadt Frankfurt. Scheitert eine Kommune im Förderzeitraum bei der Erstellung der Maßnahmen oder bei deren Umsetzung, so endet der Prozess und die Förderung vorzeitig. Ziel ist es jedoch, die Klimaschutzmaßnahmen so zu etablieren, dass sie auch nach Ablauf der Förderungszeit weiter wirken.

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