Bändern in der Mensa: Damit weniger Essen in der Tonne landet

Dass Leute sich in der Mensa oder andernorts das nicht aufgegessene von Anderen holen, ist natürlich nicht neu. In der organisierten Form bekam vor allem die „Bänderia“ in Freiburg großes Medienecho.

Halb eins in der großen Mensa am Philosophikum I. Eine Gruppe von Leuten steht in der Nähe der Rückgabebänder und spricht Personen an, die gerade dabei sind, ihre Tablette zurück zu geben. „Hast du etwas dagegen, wenn ich Deine Reste übernehme?“ oder „Entschuldigen Sie, darf ich das noch aufessen?“, mit solchen Sätzen sprechen die sieben Studierenden jene an, die noch Essensreste auf ihren Tabletten haben. Sie wollen auf die Lebensmittelverschwendung aufmerksam machen und helfen, sie zu reduzieren.

„Bevor ich das frage, mache ich die Leute auch immer darauf aufmerksam, dass sie an der Theke nach einer Box fragen können, um übrig gebliebene Lebensmittel mit nach Hause zu nehmen“, sagt Meike Meier. Die Reaktionen seien sehr gemischt. „Viele finden es gut, was wir machen. Sie haben selbst ein schlechtes Gewissen, so viel Essen wegzuschmeißen. Andere sind eher skeptisch oder finden es ekelig.“ Lisa Frey erzählt, wie es dazu kam, das sich die Gruppe nun seit einem Jahr zum gemeinsamen „Bändern“ trifft: „Mein Bruder, der in Freiburg studiert, hat mir davon erzählt. Dann habe ich mich in meinem Bekanntenkreis umgehört, wer hier in Gießen bei so etwas mitmachen würde. In Freiburg machen das die Leute schon sehr lang, dass sie sich an das Rückgabeband stellen und die Tablette mit Essensresten wegnehmen. Dort hat sich die Mensaleitung daran gestört und eine Bandabschirmung installiert.“

In Gießen hingegen ist die Stimmung kooperativ. „Die Mensaleitung wollte das „Bändern“ aufgrund hygienischer Bedenken zuerst unterbinden, lud uns aber zum Gespräch ein, was uns sehr gefreut hat“, beschreibt Johannes Reichmann. „Wir haben dann beim Veterinäramt in Erfahrung gebracht, dass die Rückgabebänder schon zum Küchenbereich gehören. Das heißt, sobald die Tablette auf den Bändern liegen, haftet die Mensa für hygienische Mängel. Die Lösung ist daher, die Leute anzusprechen, bevor sie die Tablette auf das Band gelegt haben.“ Auch Christoph Grosdidier, Leiter der Hochschulgastronomie, bestätigt: „Der Kontakt zu den Studierenden ist sehr positiv und kooperativ verlaufen.“

Diese Lunch-Boxen können an den Kassen ausgeliehen werden, um Essen mitzunehmen.

Die blauen Plastikboxen, die seit Oktober letzten Jahres gegen einen Euro Pfand an der Theke erhältlich sind, sind übrigens auch auf Initiative der „Bänderer“ eingeführt worden. Das Mensapersonal bestätigt, dass sie sehr gut angenommen werden und die Lebensmittelabfälle sich seitdem durchaus reduziert haben. „Daten über das ‚eingesparte‘ Lebensmittel-Abfallvolumen gibt es nicht“, sagt Grosdidier. „Jedoch haben wir trotz Bepfandung der Boxen bereits über 500 Boxen angeschafft.“

Bislang kam es nur hin und wieder in den Semesterferien vor, dass es nicht genug Reste für alle gab.

Inzwischen stehen auf einem Tisch ganz viele Teller mit verschiedenen Speiseresten. Jetzt beginnt das gemeinsame Mittagessen der Sieben. Heute gibt es Kartoffeln mit Blumenkohl, einen Auflauf mit Fleisch und Gemüse, Grünkern mit Gemüse sowie ein Schnitzelgericht. „Ganz oft bleiben Pommes übrig aber auch Krautsalat. Teilweise bleiben die Beilagen unberührt, weil sie eh zum Menü gehören und die Leute sie nicht essen“, hat Frey beobachtet. Die fünf bis acht Leute, die sich etwa zwei Mal pro Woche in der Mensa treffen, kennen sich untereinander. Einige sind auch bei „Foodsharing“ aktiv oder studieren am Fachbereich 09 Ernährungs- oder Umweltwissenschaften, beschäftigen sich also ohnehin mit Fragen der Lebensmittelverschwendung und Nachhaltigkeit. „Leider ist noch nie jemand von außen zu uns gekommen, um mitzumachen“, bemerkt Reichmann. Frey weist auf die kulturellen Hemmschwellen hin: „Schade, dass es so verpönt ist, zu fragen, ob man die Reste von jemandem essen darf, wenn man gemeinsam auswärts isst. Bei Freunden geht es ja noch, aber es wird schwierig, wenn es sich um Respektpersonen handelt. Dabei ist doch wirklich nichts dabei!“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: