Hanflabyrinth „Auf Fluchtwegen“ dieses Jahr in Niederweimar

Das Hanflabyrinth von oben: Refugees welcome (Foto: Matthias Rüb)

Am 25. Juni hat das Hanflabyrinth in Niederweimar eröffnet. Das Besondere: Es handelt sich nicht einfach nur um ein Labyrinth, durch das die Leute den Weg hindurch finden müssen, sondern um einen interaktiven Bildungsparcours. Das Hanflabyrinth öffnet zum vierten Mal seine Pforten. Dieses Jahr zum Thema Flucht und Migration.

„Das ist nach wie vor ein sehr aktuelles Thema, deshalb wollen wir hier einen Raum bieten, sich mit Begriffen wie ‚Rassissmus‘ oder ‚Flüchtlinge‘ auseinanderzusetzen. Wir laden die Leute ein, ihren Blickwinkel zu ändern. Die eigene Warte zu verlassen und sich zu fragen, wie sich Geflüchtete fühlen und was sie dazu bringt, ihre Heimat zu verlassen“, beschreibt Cécile Guillet den Hintergrund der Themenwahl. Sie ist eine von rund 20 Ehrenamtlichen, die zusammen mit dem Bildungsverein Motivés e.V. das Hanflabyrinth auf die Beine gestellt haben. „Die letzten zwei Jahre hatten wir uns dem ‚Postwachstum‘ gewidmet. Für dieses Jahr wollten wir ein neues Thema entwickeln.“ Auch der Acker wechselt: Letztes Jahr befand sich das Hanflabyrinth in Launsbach.

Ein paar der Helfer_innen (von links): Sarah Best, Cécile Guillet, Hannah Bernstein, Thorsten Renz

„Warum würdest Du aus Deiner Heimat flüchten?“, so lautet die Frage an der ersten von insgesamt zehn Stationen des Parcours. Die BesucherInnen dürfen per Murmel drei von zwölf Antworten auswählen. Im Mittelteil zeigen fünf Stationen verschiedene Fluchtbiografien. Am Ende bekommt man einen genaueren Einblick in das Asylverfahren. Zwischendurch gibt es immer wieder interessante Fakten und Zahlen. Zahlen, die zum Beispiel widerlegen, dass alle Flüchtenden nach Europa kommen – 86 Prozent der anerkannten Geflüchteten werden nämlich von den Ländern des globalen Südens aufgenommen. Unter dem Titel „Du hast das letzte Wort“ können die BesucherInnen, nachdem sie das Ziel erreicht haben, aufschreiben, was für eine Gesellschaft sie sich wünschen. Dort ist beispielsweise zu lesen: „Mir tun die Flüchtlinge sehr Leid. Jeder hat ein Recht auf ein glückliches Leben.“ oder „Ich wünsche mir, dass es überall Frieden gibt und keiner flüchten muss.“ Eine andere Person schreibt: „Ich bin dankbar, so sicher leben zu können.“

Die Balkanrouten werden geschlossen: Flüchtende sind nicht willkommen.

Der Bildungsparcours richtet sich vornehmlich an Jugendliche, deshalb werden neben den Öffnungszeiten auch regelmäßig Schulklassenführungen angeboten. „Ich hatte eine Klasse, die zuerst gar keine Lust auf das ‚durchgekaute‘ Thema hatte. Es war aber total schön zu beobachten, dass sich die SchülerInnen mit der Zeit doch beteiligten und es am Ende richtig interessant fanden“, beschreibt Guillet ihre Erfahrung. Generell sind aber nicht nur Jugendliche, sondern alle Interessierten eingeladen, einen Ausflug ins Labyrinth zu unternehmen. „Wir haben sogar auf die Rückmeldung des letzten Jahren hin auch ein paar Elemente für die jüngeren Gäste eingebaut, zum Beispiel Puzzleteile, die man zusammenfügen muss“, fügt Guillet hinzu.

Warum es ein Hanf- und nicht etwa ein Maislabyrinth geworden ist, erklärt sie wie folgt: „Hanf ist natürlich ein Eyecatcher. Darüber hinaus handelt es sich um einen natürlichen Rohstoff, der sehr umweltschonend angebaut und vielfältig genutzt werden kann. Auch darüber informieren wir.“ Um die Wege in das Hanffeld zu schneiden, wurde dieses in ein Raster von zehn mal zehn Metern unterteilt. Analog zum Labyrinth-Entwurf wurde dann Quadrat für Quadrat mit einem Mäher bearbeitet.

Ein vielfältiges Programm begleitet die Öffnungszeiten. Darunter beispielsweise Vorträge und Workshops zu Hanf als regionaler Kulturpflanze, eine Kleidertauschparty, Open Air Kino sowie die Veranstaltung „Share your story“, bei der Geflüchtete zu Wort kommen und ihre individuelle Geschichte erzählen. Das komplette Programm ist auch unter http://www.hanflabyrinth.org/ einsehbar.

Für den Besuch empfiehlt Guillet mindestens zwei Stunden einzuplanen. Immerhin ist der Weg rund zwei Kilometer lang und die Stationen zu bearbeiten dauert auch eine gewisse Zeit. Bis zum 24. September ist das Labyrinth noch geöffnet. In den Schulferien Donnerstags bis Sonntags und außerhalb der Ferienzeit nur am Wochenende. Der Weg ist vom Niederweimarer Bahnhof aus gut ausgeschildert. Von dort aus sind es mit dem Fahrrad nur noch wenige Minuten.

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