Gießener Initiative „Stadt im Wandel“ bekommt Kontur

Die Vernetzung der verschiedenen öko-sozialen Gruppen hat begonnen.

Die Vernetzung der verschiedenen öko-sozialen Gruppen hat begonnen.

Immer mehr ökologische und soziale Initiativen bereichern die Stadt: seien es nun urbane Gemeinschaftsgärten, „Solidarische Landwirtschaft“, selbstorganisierte Cafés, die Fahrradselbsthilfewerkstatt oder auch das in Planung befindliche „Repair Café“ der „Free School Gießen“. Allen Initiativen ist gemein, dass sie sich kritisch mit der ökonomischen Wachstumsideologie und ihren ökologischen und sozialen Folgen auseinandersetzen und auf Regionalität, Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung setzen. Um all diese Initiativen untereinander und in der Stadt bekannt zu machen, haben sich nun einige Personen zusammengefunden, um die Vernetzung voranzutreiben.

„Ich freue mich auf eine Vernetzung der einzelnen Gruppen, die es hier so in Gießen gibt. So können die Potenziale viel besser genutzt werden, als wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht“, sagt Eva-Maria Isop, die selbst Teil der Kü-Ché ist, dem „Gießener Kulturwohnzimmer“, wo man gemütlich beisammen sitzen kann und gegen Spende auch Kuchen und Getränke bekommt. Etwa 20 Personen sitzen an diesem Ort zusammen. Alle sind daran interessiert, ökologische und soziale Projekte, die es in Gießen gibt, zu vernetzen oder auch selber neue Projekte zu starten. Es ist das zweite Treffen dieser Art. Bereits vor drei Wochen gab es das erste Treffen von öko-sozialen Gruppen und interessierten Personen, auf dem der Film „In Transition 2.0“ gezeigt wurde. Ob die sich in Gründung befindliche Initiative nun „Transition Town Gießen“ oder „Stadt im Wandel“ nennt, ist noch offen. Klar ist aber, worum es geht: Die Aufmerksamkeit auf den eigenen Lebensstil zu richten und ihn nachhaltiger gestalten, das kritische Auseinandersetzen mit der Wachstumsideologie und der „Wegwerfgesellschaft“ und eine stärkere Wertschätzung solidarischen Miteinanders – und vor allem möglichst viele Menschen zum Mitmachen anzuregen.

Neben einigen individuellen Personen, sind auch Gruppen vertreten: Neben der Kü-Ché auch die Free School Gießen, die Jugendwerkstatt, das Textilbündnis der Lokalen Agenda 21, die Solidarische Landwirtschaft und Leute, die bei urbanen Gemeinschaftsgärten (von denen es in Gießen inzwischen fünf gibt) mitmachen. „Der Film, den wir im April gezeigt haben, hat mich wirklich motiviert und gezeigt, was möglich ist. Ich finde es faszinierend, wie leicht es ist, Leute zusammen zu bringen, die an Projekten arbeiten, die so viel Spaß machen. Ich glaube, auch in Gießen gibt es ganz viele Leute, die mitmachen würden, wenn sie erst einmal erfahren, was es alles gibt. Deshab versuchen wir die verschiedenen kleinen Projekte raus aus der Nische in die Öffentlichkeit zu bringen“; sagt Nils Seipel, Mitinitiator der Treffen. Er erzählt vom ersten Treffen, an dem etwa 60 Personen teilgenommen haben. „Schön war es, dass es nicht nur Studierende waren, sondern Personen jeden Alters. In der Diskussion wurde klar, dass bei allen der Wunsch da ist, sich zu vernetzen.“ So gab es beispielsweise Überlegungen, wie ein Bäcker und die Betreiber einer Mühle, die beide voraussichtlich aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssen, zukünftig gemeinschaftlich kooperieren könnten.

Die Initiative hat vor, alle lokalen Gruppen im ökologischen und sozialen Kontext, möglicherweise als Broschüre, aber vor allem auf der Website http://www.gießen-lebt.de aufzuführen. Geplant sind außerdem entsprechende Terminankündigungen und eine interaktive Karte. Außerdem sollen alle Interessierten die Möglichkeit haben, zu sammeln, was sie in der Stadt gerne verändern würden und selbst Projekte einzubringen – sei es die Verbesserung der Fahrradinfrastruktur oder der Bau öffentlicher Dachgärten. „Ich stelle mir das so vor“, sagt Nils Seipel, „dass sich als nächstes verschiedene Arbeitskreise bilden. Arbeitskreise zu Mobilität, Ernährung, Konsum aber auch Öffentlichkeitsarbeit und Technik und natürlich weitere, auf die Leute Lust haben.“ Erich Eisfeld, der ebenfalls das erste Treffen mit organisiert hat, ergänzt: „Wir haben zwar als Initiativgruppe angefangen, aber das wichtige ist, dass alles offen ist. Wir möchten gemeinsam entscheiden und nicht vorgeben, was zu tun ist.“

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2 Antworten

  1. cool, weiter so! endlich mal nicht nur „stimme abgeben“ sondern selbst aktiv werden.

  2. Hat dies auf bike.reformer rebloggt und kommentierte:
    Richtig guter Inhalt, respekt!

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