Schadstoffe – von der Verpackung ins Lebensmittel

So viel Verpackungsmüll produziert die Durchschnittsperson pro Tag.

Ob Mineralöl, Weichmacher oder Aluminium – verschiedene Stoffe können aus der Verpackung ins Lebensmittel übergehen. Noch bis zum 2. Juni zeigt die Verbraucherzentrale Gießen die Ausstellung „Schön verpackt – um welchen Preis?“ In diesem Rahmen erzählte die Ökotrophologin Heidi Schneider in einem Vortrag, was Verbraucher_innen bei Lebensmittelverpackungen beachten sollten.

Antworten: 1b), 2c), 3c)

„Deutschland ist Europameister beim Verpackungsmüll“, sagt Schneider und meint damit nicht etwa die Leistungen im Recycling, sondern die Abfallmengen, die durch Verpackungen entstehen. „Und durch den To-go-Verzehr nehmen die Verpackungsmengen sogar noch zu.“ Wie hoch das Publikum den Jahresverbrauch an Lebensmittelverpackungen schätzt, möchte sie wissen. Mit 100 Kilogramm haben viele nicht gerechnet. „Das sind 300 Gramm pro Person und Tag“, sagt sie und hebt beispielhaft eine Mülltüte gefüllt mit Verpackungen aus Kunststoff, Papier, Karton und Tetrapacks in die Luft. Aber es geht nicht nur um die großen Mengen an Abfall, die tagtäglich entstehen, es geht auch um die Schadstoffe, die von ihnen ausgehen.

Die gesetzlichen Vorgaben sehen vor, dass Verpackungen bei ihrem „bestimmungsgemäßen Gebrauch“ keine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen. Warum Verpackungsmaterialien dennoch immer wieder Negativschlagzeilen machen, führt Schneider darauf zurück, dass gesundheitliche Wirkungen erst im Nachhinein erkannt werden und dass die Analytik sich immer weiter verbessert.

Zu den unerwünschten Stoffen, die aus der Verpackung ins Lebensmittel übergehen können, gehören beispielsweise Bestandteile von Druckfarben, darunter Mineralöle oder sogenannte primäre aromatische Amine (PAA), die als Farbpigmente eingesetzt werden. Die Rückstände finden sich auch in Recyclingpapier und -kartonagen. Diese Stoffe können zum Teil krebserregend oder erbgutschädigend sein. Inzwischen werden zwar vermehrt mineralölfreie Druckfarben verwendet oder beispielsweise Kunstststoffbarrieren in die Verpackung eingebaut. Dennoch empfiehlt Schneider: „Insbesondere fetthaltige Lebensmittel sollten nicht längere Zeit mit bedrucktem Papier in Berührung kommen, auch nicht mit Servietten oder bunten Papptellern.“ Verpackte Lebensmittel lassen sich nach dem Kauf leicht in Glasbehältnisse umfüllen.

Insbesondere fettige Lebensmittel sind kritisch, da organische Schadstoffe meist fettlöslich sind.

Ein weiteres Stoffgemisch vor dem Schneider warnt, sind Klebstoffe, die zum Beispiel in wiederverschließbaren Käse- oder Wurstverpackungen zu finden sind. Diese können auch PAA enthalten und gehen unter Umständen ins Lebensmittel über.

Auch schon länger in der Diskussion: Weichmacher in Kunststoffen, so zum Beispiel die Stoffgruppe der Phthalate, die sich in PVC finden. Sie können hormonell wirksam sein und werden für die zunehmende Unfruchtbarkeit bei Männern verantwortlich gemacht. Darüber hinaus können sie die Leber schädigen. Besonders bedenklich in der Stoffgruppe ist DEHP (Diethylhexylphthalat). Weichmacherhaltiges PVC wird beispielsweise in Deckeldichtungen von Schraubgläsern verwendet. Der Stoff ist allerdings seit 2007 in Verpackungen von fetthaltigen Lebensmitteln verboten. „Trotzdem hat man danach auch immer wieder Rückstände von diesem Stoff gefunden.“  In Lebensmittelverpackungen allgemein wird heutzutage kaum noch PVC eingesetzt. Auch bei den Deckeldichtungen gibt es Alternativen. Blaue Deckeldichtungen sind Weichmacher- bzw. PVC-frei, doch auch transparente Dichtungen müssen nicht unbedingt Weichmacher enthalten, sicher sein kann man allerdings nicht.

Wenn Plastikflaschen, dann am besten aus PET und als Mehrweg.

Im Gegensatz zu PVC enthalten Verpackungen aus PP und PE keine Weichmacher. „Ebenso verhält es sich mit PET-Flaschen. Entgegen landläufiger Meinung sind da auch keine Weichmacher drin. Der Stoff Acetaldehyd, der sich bilden kann, wenn PET-Flaschen der Sonne ausgesetzt sind, führt zu einem süßlichen Geschmack, ist aber gesundheitlich unbedenklich.“ PET-Flaschen sind gesundheitlich also unbedenklich, wobei aus ökologischen Gründen Mehrwegflaschen vor Einwegflaschen zu bevorzugen sind, wie Schneider betont.

Nicht empfehlenswert: Salziger Fisch mit Zitrone auf Alufolie gegrillt.

Auch bei Aluminium sollte man Vorsicht walten lassen. „Insbesondere bei säure- und salzhaltigen Lebensmitteln können sich Aluminiumionen lösen und ins Lebensmittel übergehen. Das heißt, es kommt vor allem darauf an, mit welchen Lebensmitteln die Alufolie in Verbindung kommt. Käse, Schinken, Tomaten und Obst sind beispielsweise nicht empfehlenswert“, erläutert Schneider.

Wie sieht es nun aus, wenn man Verpackungen wiederverwenden möchte, um weniger Müll zu produzieren? Schneider warnt vor dieser Möglichkeit, insbesondere bei Kunststoffverpackungen: Auf gar keinen Fall sollte man heiße Suppe in leere Eisverpackungen gießen. Aber auch zum Einfrieren von Lebensmitteln eignen sich Eisdosen nicht: „Moderne Verpackungen sind für den einmaligen Gebrauch konzipiert. Sie sind maßgeschneidert für eine bestimmte Anwendung und einen bestimmten Temperaturbereich. Wenn man Verpackungen wiederverwendet, dann höchstens für den gleichen Zweck und nur wenige Male. Zum Einfrieren oder Aufbewahren von Lebensmitteln sollte man immer die für diesen Zweck eigens hergestellten Gefäße benutzen.“ Glas hingegen ist das Material, das am unbedenklichsten ist, was den Übergang von Schadstoffen ins Lebensmittel angeht.

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